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Xenotransplantation – Schweine retten Leben

03. 09. 2026
Verfasst von: Robert Ramm, Inga Brüsch, Philipp Felgendreff

Xenotransplantation – Schweine retten Leben

Zwei junge Schweine stehen mit einem Tierpfleger in Overall und Einmalhandschuhen in einem sauberen gefliesten Stall mit Stroheinstreu. Die Tiere wirken neugierig und entspannt. © Medjunge, MHH
Schweine werden nicht nur als Fleischlieferanten genutzt: Zukünftig könnten genetisch veränderte Tiere als Organspender für den Menschen dienen. Die Aufzucht soll dem Tierwohl und besonders strengen hygienischen Standards gerecht werden.

Neue Hoffnung im Kampf gegen den Organmangel: An der Medizinischen Hochschule Hannover erforscht ein abteilungsübergreifendes Team die Xenotransplantation von Schweineorganen auf Menschen als Alternative zu menschlichen Organspendern. Eine wichtige Rolle übernimmt dabei die Ex-vivo-Perfusionsmaschine, die Organe außerhalb des Körpers durchblutet und am Leben erhält. Diese zukunftsweisenden Technologien könnte die Organtransplantation revolutionieren.

Alternativen gegen fehlende Spenderorgane

Täglich sterben Patientinnen und Patienten, die mit einem Ersatzorgan behandelt werden könnten, aufgrund fehlender Organspenden. Die Deutsche Stiftung Organtransplantation meldet mit über 3.200 transplantierten Organen für 2025 einen leichten Anstieg zum Vorjahr. Dennoch warten über 8.200 Patienten auf ein Organ. An der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) arbeitet ein multidisziplinäres Team daran, diese Lücke in Zukunft schließen zu können. Eine mögliche Lösung ist die Nutzung von Schweinen als Organspendern – die sogenannte Xenotransplantation (Übertragung zwischen verschiedenen Spezies). Die Arbeiten werden intensiv von einer Ethikkommission begleitet, von Behörden genehmigt und umfassend überwacht (Tierversuche, Tierschutz, tierversuchsfreie Methoden).

Organabstoßung verhindern, Überleben verlängern

Die größte Hürde bei der Xenotransplantation ist die starke Abstoßungsreaktion, die tierische Organe im Menschen auslösen. Mittels biotechnologischer Entwicklungen gelang es Forschenden in den vergangenen Jahrzehnten, genetisch veränderte Schweine zu züchten, deren Organe weniger Abstoßungsreaktionen hervorrufen. 2022 transplantierten Ärzte in den USA erstmals einem Menschen ein genetisch verändertes Schweineherz, mit dem er zwei Monate lebte. Es folgte die erfolgreichere Xenotransplantation von Nieren, welche nun sogar in klinischen Studien in den USA und China erprobt wird. 

Eine Lunge liegt unter einer gläsernen Kuppel, die eine Person mit Laborhandschuhen schließt. Das Gewebe der beiden Flügel ist hell bis rosig. Die Lunge ist an Schläuche mit hellen Flüssigkeiten und an Pumpen angeschlossen. © Medjunge, MHH
Die Lunge eines genetisch veränderten Schweins wird in der Ex-vivo-Lungenperfusion künstlich durchblutet. Das Gerät hält das Organ am Leben und seine Funktionen aufrecht.

Doch auch die Operationstechniken und die Funktionalität der Spenderorgane nach der Transplantation stellen die Ärztinnen und Ärzte vor Herausforderungen. An der MHH forscht ein multidisziplinäres Team an der Xenotransplantation von Lungen, Lebern, Nieren und Herzklappen. Dr. Inga Brüsch koordiniert mit ihrem Team die Operationen, in denen sie genetisch veränderten Schweinen Organe entnehmen. Um die Transplantation zu simulieren, schließen sie die Schweineorgane an sogenannte Ex-vivo-Perfusionsmaschinen an. In dieser Maschine werden die Organe wie im Körper mit Blut durchströmt, um Kreislauf und Funktion aufrechtzuerhalten. 

Maschinelle Durchblutung als Organ-Ersatz

Die Funktion von Schweinelungen versagt bei Kontakt mit menschlichem Blut schneller als bei Herz und Niere. Warum, das ist bislang noch nicht bekannt. Die Gründe erforschen Dr. Robert Ramm und Dr. Tobias Goecke in einem vom Deutschen Zentrum für Lungenforschung geförderten Projekt mithilfe der Ex-vivo-Lungenperfusion (EVLP). Außerdem nutzen die Forscher die EVLP dazu, die Organe weiter zu verändern und so besser für die Transplantation vorzubereiten. 

Zwei Schläuche mit Blut führen in eine Schweinelunge, die auf einer gläsernen Unterlage liegt. Das Gewebe ist kräftig rosa bis rot. © Medjunge, MHH
In der Ex-vivo-Lungenperfusion durchströmt menschliches Blut eine genetisch veränderte Schweinelunge und versorgt sie flächendeckend mit Blut und Sauerstoff.

Bei der Leber verfolgt das Team um Dr. Philipp Felgendreff einen anderen Ansatz: Sie wollen die Ex-vivo-Perfusion als kurzfristigen Organ-Ersatz nutzen. Bei Patienten mit einem akuten Leberversagen, etwa durch eine Vergiftung, könnte eine tierische Leber über die Ex-vivo-Perfusion für einige Tage die Funktion der menschlichen Leber übernehmen. Dieser Zeitraum könnte ausreichen, damit sich die Leber des Patienten wieder erholt oder aber ein passendes Spenderorgan gefunden wird.

 

Hier finden Sie weitere Informationen:

Redaktioneller Hinweis: Dieser Text steht unter der CC BY 3.0 DE-Lizenz
Zitation: Ramm, R., Brüsch, I., & Felgendreff, P. (2026). Xenotransplantation – Schweine retten Leben. TI-Magazin (Technologie-Informationen), „ti“ 1+2/2026: Die Medizin der Zukunft. https://doi.org/10.60479/SFHJ-9H72
Dr. Inga Brüsch
Adresse
Medizinische Hochschule Hannover
Institut für Versuchstierkunde und Zentrales Tierlaboratorium
Dr. Inga Brüsch
Adresse
Medizinische Hochschule Hannover
Institut für Versuchstierkunde und Zentrales Tierlaboratorium
Dr. Robert Ramm
Adresse
Medizinische Hochschule Hannover
Klinik für Herz-, Thorax-, Transplantations- und Gefäßchirurgie
NIFE – Niedersächsisches Zentrum für Biomedizintechnik, Implantatforschung und Entwicklung
Dr. Robert Ramm
Adresse
Medizinische Hochschule Hannover
Klinik für Herz-, Thorax-, Transplantations- und Gefäßchirurgie
NIFE – Niedersächsisches Zentrum für Biomedizintechnik, Implantatforschung und Entwicklung
PD Dr. Philipp Felgendreff
Adresse
Medizinische Hochschule Hannover
Klinik für Allgemein-, Viszeral- und Transplantationschirurgie
PD Dr. Philipp Felgendreff
Adresse
Medizinische Hochschule Hannover
Klinik für Allgemein-, Viszeral- und Transplantationschirurgie
Medizinische Hochschule Hannover, Wissens- und Technologietransfer
Adresse
Carl-Neuberg-Str. 1
30625 Hannover
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30625 Hannover

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