26. 05. 2026
Verfasst von: Anibh M. Das, Miriam Rühling, Hans Hartmann
Wie helfen Fettsäuren gegen Epilepsie?
Das Gehirn hat einen hohen Energiebedarf, der durch die Mitochondrien als Kraftwerke der Zelle gedeckt wird. Bei vielen neurologischen Erkrankungen werden die Hirnzellen nicht ausreichend mit Energie versorgt. Eine Forschungsgruppe für Stoffwechselerkrankungen der Medizinischen Hochschule Hannover untersucht den Einfluss von Fettsäuren mit mittlerer Kettenlänge auf die Energiebereitstellung. So kann eine fetthaltige Diät die Energieproduktion steigern und das Gehirn zum Beispiel vor epileptischen Anfällen schützen.
Einfluss auf die Energieproduktion im Gehirn
Neurologische Erkrankungen führen häufig zu einem erhöhten Energiebedarf der Nervenzellen. Bei Epilepsien etwa kommt es zu Anfällen mit rhythmisch wiederholten elektrischen Entladungen. Andererseits gibt es angeborene, vererbte Stoffwechselerkrankungen, die die Energiebereitstellung in den Kraftwerken der Hirnzellen, den Mitochondrien, beeinträchtigen (Mitochondriopathien). Durch den Energiemangel sterben Nervenzellen ab und bereits erworbene Fähigkeiten gehen verloren, insbesondere bei Kindern. Auch Erwachsene mit diesen Erkrankungen können zunehmend neurologische Symptome entwickeln. Da jede Zelle im Körper Energie benötigt, kann es zu Ausfällen weiterer Organe im Sinne einer Multisystemerkrankung kommen.
Medikamentöse Therapie hilft nicht allen
Epilepsie wird primär mit antiepileptischen Medikamenten behandelt, die zumeist erfolgreich wirken. „Doch ein Drittel aller Epilepsiepatienten spricht auf diese Therapien gar nicht oder nur unzureichend an“, erklärt Prof. Dr. Anibh Martin Das. Eine ketogene Diät (KD) mit viel Fett und wenig Kohlenhydraten verringert bei vielen dieser Patientinnen und Patienten die Krampfanfälle, der genaue Mechanismus hierfür ist allerdings noch nicht bekannt. „Unsere Hypothese ist, dass sich unter der ketogenen Diät die Energiebereitstellung durch die Mitochondrien verbessert“, erläutert der Leiter der Pädiatrischen Stoffwechselmedizin. Jedoch ist die KD aufwändig und teilweise schlecht verträglich. Anibh Martin Das sucht mit seinem Team nach Alternativen.
Nebenwirkungen bei fettreicher Diät verringern
Möglicherweise sind mittelkettige Fettsäuren (C8 und C10) für die anfallsunterdrückende Wirkung der KD entscheidend verantwortlich. Im Blut von Kindern mit Epilepsie wiesen die Forschenden während der Diät nach, dass Regulatoren des Energiestoffwechsels (Sirtuine) aktiviert sind. Die Aktivierung könnte unter anderem durch mittelkettige Fettsäuren, die unter KD ansteigen, vermittelt werden. „Im Reagenzglas konnten wir zeigen, dass Hirnzellen von Mäusen, die mit C8- und C10-Fettsäuren inkubiert wurden, mehr Energie produzieren“, berichtet Anibh Martin Das. Mittlerweile gibt es Nahrungsergänzungsmittel, welche C8- und C10-Fettsäuren enthalten. Damit ließen sich Nebenwirkungen einer Diät möglicherweise verringern. Weiterhin plant das Forschungsteam, den Effekt dieser Fettsäuren auf Patienten mit Erbkrankheiten im Energiestoffwechsel zu untersuchen. Für diese Patienten gibt es bislang keine ursächliche Therapieoption, Lebensqualität und -erwartung sind eingeschränkt.
Hier finden Sie weitere Informationen:
Klinik für Pädiatrische Nieren-, Leber- und Stoffwechselerkrankungen und Neuropädiatrie
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30625 Hannover
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