26. 08. 2026
Verfasst von: Beate Muschalla, Nils Christensen
Neuropsychologische Probleme – wenn der Alltag zu viel wird
Wie meistern Sie Ihren Alltag? Anforderungen durch Arbeit, Familie und Freizeit können sehr herausfordernd sein, das kennt wohl jeder Mensch. Doch manchmal werden die täglichen Aufgaben zur Belastung. Inwieweit können kurze, praxisorientierte Einzelcoachings dazu beitragen, diese Herausforderungen besser zu bewältigen? Das untersucht das Institut für Psychologie der Technischen Universität Braunschweig mit einem Coaching-Angebot. Es basiert auf einem Projekt, das Teilleistungsstörungen bei Patienten mit psychischen Erkrankungen erforschte.
Teilleistungsstörungen bei psychischen Erkrankungen
Unser Gehirn ist ein hochkomplexes Organ, das es erlaubt, uns an verschiedene Umweltbedingungen anzupassen und unser Verhalten zu optimieren. Diese Fähigkeiten sind von Mensch zu Mensch unterschiedlich ausgeprägt. „Wenn Menschen Probleme haben mit speziellen Einzelleistungen, etwa Lesen, Schreiben, Rechnen, Muster erkennen, sich orientieren, Namen merken, Gesichter erkennen, Impulsivität oder motorische Ungeschicklichkeit, und wenn diese zu Problemen im Lebensalltag führen, sprechen wir von Teilleistungsstörungen“, erklärt Psychotherapeutin Prof. Dr. Beate Muschalla. Um mehr über das Spektrum an Teilleistungsstörungen bei psychisch Erkrankten im Erwachsenenalter herauszufinden, startete sie das Neuro-TLS Projekt an der Psychotherapieambulanz der TU Braunschweig und an zwei Kooperationskliniken.
Kognitive, emotionale und motorische Fähigkeiten
Das Projektteam bot Patientinnen und Patienten ein zweistündiges Assessment an, in dem es diverse Teilleistungsprobleme erfragte und neuropsychologische Tests durchführte. Es gab unter anderem Aufgaben aus den Bereichen Aufmerksamkeit, zum Beispiel sich Zahlen merken, exekutive Funktionen wie etwa Planungsaufgaben oder visuelle Fähigkeiten wie Formen legen. Erste Auswertungen zeigen, dass rund die Hälfte aller Teilnehmenden selbst über minimale Störungen berichteten oder Auffälligkeiten in den Testungen aufwiesen. „Betroffene Patientinnen und Patienten zeigten auch tendenziell eine höhere psychische Belastung“, fasst Beate Muschalla zusammen. „Sie waren länger krank und häufiger arbeitslos.“
Coaching für Alltag und Arbeit
Die bisherigen Ergebnisse deuten darauf hin, dass sich mit der systematischen Erfassung von Teilleistungsstörungen bei Patienten mit psychischen Problemen deren „Funktionsniveau“ noch objektiver einschätzen lässt. Das liefert auch wichtige Hinweise für den Behandlungsplan, wenn es beispielsweise um notwendige Kompensation für beruflich relevante Teilleistungsprobleme geht. Als Folgeprojekt bietet das Team Mini-Coachings zum Umgang mit Alltags- und Arbeitsproblemen an. Die Coaches erarbeiten mit den Teilnehmenden, wie sie spezielle Alltagsanforderungen bewältigen können. Die Bewältigungsansätze basieren auf der Aktivierung von Weisheitsfähigkeiten oder auf dem Prinzip der selektiven Optimierung und Kompensation.
Hier finden Sie weitere Informationen:
- Mini-Coaching für Alltags und Arbeitsprobleme, TU Braunschweig
- Neurodevelopmental Impairments in Adult Psychosomatic Patients. Christensen, N., Linden, M., & Muschalla, B. (2024). Journal of Clinical Medicine, 19;13(18):5566. MDPI
- Spektrum komplexer Teilleistungsstörungen bei Patienten mit psychischen Erkrankungen. Christensen, N., Warnke, M., Naaß, P., & Muschalla, B. (2024). Psychotherapie - Psychosomatik - Medizinische Psychologie, 74(3-04), 112-119. Thieme
Institut für Psychologie
Institut für Psychologie
38106 Braunschweig
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