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Neues Kombi-Verfahren reduziert Keime bei Fleisch

21. 10. 2026
Verfasst von: Lisa Siekmann, Madeleine Plötz, Wissen hoch N

Neues Kombi-Verfahren reduziert Keime bei Fleisch

Die Grafik skizziert das Dekontaminationsverfahren mit Fleischstücken, die in einem Sprühkabinett zunächst mit UV-C behandelt und danach mit Plasma-aktiviertem Wasser besprüht werden. Anschließend folgt die mikrobiologische Analyse. Die HAWK und das LMQS bringen Erfahrung, Technik und Material in das Projekt ein, während zwei Schlachtbetriebe Geflügel- und Schweinefleisch liefern. © Tierärztliche Hochschule Hannover
Fleisch haltbarer machen und die Lebensmittelsicherheit erhöhen – dieses Potenzial bietet die Kombination aus UV-C Strahlung und Plasma-aktiviertem Wasser (PAW) während der Verarbeitung. Das innovative Verfahren testete die Tierärztliche Hochschule Hannover (LMQS) mit der HAWK in Göttingen.

Fleisch kann während des Schlacht- oder Verarbeitungsprozesses mit Keimen in Kontakt kommen, die Durchfallerkrankungen beim Menschen auslösen. Aus Sicherheitsgründen wird dieses Fleisch dann entsorgt. Wie lassen sich die Fleischressourcen nachhaltiger nutzen? Die Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover hat in einem Verbundprojekt ein neues Haltbarmachungsverfahren erprobt, um bereits bei der Fleischzerlegung die Keimbelastungen niedrig zu halten. Das Projektteam kombiniert dazu Plasma-aktiviertes Wasser mit UV-C-Strahlung.

Längere Haltbarkeit durch Plasma- und UV-C-Bestrahlung

Geflügel- und Schweinefleisch kann mit Keimen wie Salmonellen, Campylobacter oder Escherichia coli belastet sein. Für Verbraucher entsteht das Risiko, daran zu erkranken, vor allem bei unzureichender Küchenhygiene und wenn sie Lebensmittel nicht ausreichend erhitzen. Für eine hohe Lebensmittelsicherheit werden bereits während der Fleischerzeugung viele verunreinigte Teile von Tierkörpern entsorgt. Dagegen sind nur bestimmte Möglichkeiten, Fleisch haltbar zu machen, in der EU gesetzlich zugelassen und dadurch stark begrenzt. Um die Nachhaltigkeit in der Fleischerzeugung zu verbessern und Ressourcen zu schonen, kooperierte die Tierärztliche Hochschule Hannover mit der HAWK in Göttingen im EiP-Agri-Projekt „DEALS“. Das Forschungsteam erprobte eine innovative Kombination von Haltbarmachungsverfahren.

Das Bild zeigt vier aufrechtstehende Petrischalen in Reihe mit verschiedenfarbigen Nährböden in rosa, rot, transparent und schwarz. Darauf wachsen Mikroorganismen entlang der mäanderförmigen Ausstriche der Impföse in den Farben weiß-rot, rot, dunkelviolett und weiß. © Tierärztliche Hochschule Hannover
In den Petrischalen werden verschiedene Mikroorganismen von Fleischproben nachgewiesen: Yersinien (von links), Salmonellen, E. coli und Campylobacter.

Keimbelastung senken, Haltbarkeit steigern

Das Potenzial von UV-C-Strahlung, Mikroorganismen zu inaktivieren, ist bereits länger bekannt. Weniger erforscht ist bislang die Wirkung von Plasma-aktiviertem Wasser (PAW) auf Keime. Hierbei wird eine Flüssigkeit durch Plasma aktiviert und es entstehen zumeist kurzlebige, reaktive Spezies – darunter Hydroxylradikale, Stickoxide, Wasserstoffperoxid, Nitrate und Ozon. „Diese Verbindungen können die Zellstruktur von Mikroorganismen schädigen, die Keimbelastung der behandelten Oberfläche senken und die Haltbarkeit steigern“, erklärt Projektmitarbeiterin Dr. Lisa Siekmann. Das Team testete UV-C und PAW sowohl separat als auch kombiniert auf ihre Wirksamkeit gegen unterschiedliche Keime auf den Oberflächen ganzer Tierkörper als auch auf zugeschnittenen Fleischscheiben. Dabei sollen sensorische Veränderungen des Lebensmittels sowie der Energieeinsatz möglichst gering bleiben.

Die Anlage besteht aus einem Unterbau, einem Touchpad mit Knöpfen sowie einem gläsernen Kasten. Innerhalb des Kastens läuft ein Förderband. Von beiden Seiten kann dies über kippbare Rampen mit Probengut gefüllt werden. Oben auf dem Kasten sind eine sichtgeschützte UV-C-Lampe und ein Sprühkopf zur Applikation des Plasma-aktivierten Wassers angebracht. © HAWK Hildesheim/Holzminden/Göttingen
Funktionsmuster zur kombinierten Behandlung der Fleischproben mit UV-C und Plasma-aktiviertem Wasser: Im Inneren des Kastens läuft ein Förderband, das die Proben transportiert. Als Besonderheit lässt sich dieses über das angebrachte Touchpad in der Laufrichtung anpassen, verlangsamen, zwischendrin stoppen oder manuell bedienen.

Kombiniertes Verfahren erhöht Hygiene

Im Zerlegebetrieb lag der Fokus auf der Hygiene von Schneidwerkzeugen und Arbeitsflächen. Während Escherichia coli vor allem durch mangelnde Personalhygiene auf ein Lebensmittel übertragen wird, gelangen Campylobacter bei Geflügel häufig infolge von Grunderkrankungen der Tiere auf das Fleisch. Bei Schweinen spielen eher Salmonellen eine Rolle. „Die Versuche im Labormaßstab haben gezeigt, dass Plasma-aktiviertes Wasser und UV-C-Strahlung die Mikroorganismen deutlich reduzieren können und sich dadurch die Haltbarkeit der behandelten Proben verbessern lässt“, zieht Projektleiterin Prof. Dr. Madeleine Plötz ein positives Fazit. 

Die Europäische Union förderte das Projekt, an dem auch Dr. Vanessa Große-Peclum, Rabea Bernhardt, Prof. Dr. Carsten Krischek, Dr. Georg Avramidis, Christian Ochs und Prof. Dr. Wolfgang Viöl sowie zwei niedersächsische Schlachtbetriebe beteiligt waren.

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Redaktioneller Hinweis: Dieser Text steht unter der CC BY 3.0 DE-Lizenz
Zitation: Siekmann, L., & Ploetz, M. (2026). Neues Kombi-Verfahren reduziert Keime bei Fleisch. TI-Magazin (Technologie-Informationen), „ti“ 1+2/2026: Die Medizin der Zukunft. https://doi.org/10.60479/YSZ6-VQ03
Prof. Dr. Madeleine Plötz
Adresse
Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover
Institut für Lebensmittelqualität und -sicherheit (LMQS)
Prof. Dr. Madeleine Plötz
Adresse
Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover
Institut für Lebensmittelqualität und -sicherheit (LMQS)
Dr. Lisa Siekmann
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Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover
Institut für Lebensmittelqualität und -sicherheit (LMQS)
Dr. Lisa Siekmann
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Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover
Institut für Lebensmittelqualität und -sicherheit (LMQS)
Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover, Technologietransfer
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