08. 10. 2026
Verfasst von: Benedikt Luka, Robert Blach, Hans Christiansen, Nadine Schlüter
Mundgesundheit bei Kopf-Hals-Bestrahlung verbessern
Die Strahlentherapie stellt eine wichtige Säule zur Behandlung von Tumoren im Kopf-Hals-Bereich dar, doch wie jede therapeutische Option kann sie mit einer Vielzahl an Nebenwirkungen verbunden sein. Ein interdisziplinäres Forschungsteam der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) untersucht nun, wie Bestrahlung und deren Nebenwirkungen sowie individuelle Angewohnheiten der Patientinnen und Patienten sich auf die Mundgesundheit auswirken. Mit den Erkenntnissen soll die Mundgesundheit während und nach der Therapie verbessert werden.
Zusammenhänge verstehen, Maßnahmen entwickeln
Jährlich manifestiert sich bei rund 13.000 Personen in Deutschland ein Tumor in der Mundhöhle oder im Rachen. Bei der Strahlentherapie kommt es häufig zu Nebenwirkungen. Entzündungen der Mundschleimhaut, ein trockener Mund oder Geschmacksveränderungen können für Patientinnen und Patienten sehr belastend sein. Karies oder in seltenen Fällen auch Schäden am Kieferknochen erfordern teils langwierige Rehabilitationen. Dabei sind die Nebenwirkungen individuell sehr unterschiedlich ausgeprägt. Zudem beeinflussen sich die verschiedenen Ursachen und Nebenwirkungen oft gegenseitig. Um die Mundgesundheit während und nach einer Bestrahlung im Kopf-Hals-Bereich zu verbessern und Vorsorge-Strategien zu entwickeln, werden diese komplexen Zusammenhänge in einer aktuellen Studie untersucht.
Von Mundstrukturen zur Ernährungsgewohnheit
Das hannoversche Team aus der Klinik für Zahnerhaltung, Parodontologie und Präventivzahnmedizin sowie der Klinik für Strahlentherapie und Spezielle Onkologie vereint Expertise aus den Bereichen Zahnmedizin, Strahlentherapie und Zellbiologie. Die Forschenden analysieren bei Patienten, die an der Studie teilnehmen, viele Faktoren: unterschiedliche Strukturen der Mundhöhle, Zähne und Schleimhaut, bakterielle und molekulare Zusammensetzung des Speichels, individuelle Strahlensensibilität der Zellen, Mundhygiene, Ernährungsgewohnheiten sowie die mundgesundheitsbezogene Lebensqualität.
Spezielle Mundpflegeprodukte gegen Nebenwirkungen
Derzeit wird eine Vorgänger-Studie mit Daten von 30 Patienten ausgewertet. Daraus geht hervor, dass die Kariesausprägung an den bestehenden Zähnen von 10 Prozent vor Beginn der Bestrahlung auf 15 Prozent ein halbes Jahr später angestiegen ist. Von dieser rasch voranschreitenden Karies waren diejenigen seltener betroffen, die wenig Zucker konsumierten und wenig Zahnbelag auf den Zähnen hatten. Diese Daten zeigen die hohe Relevanz einer besonders intensiven zahnmedizinischen Betreuung während der Therapie. Die aktuell laufende Studie soll in eine Multi-Center-Studie überführt werden, um die Fallzahl und damit die Aussagekraft über die individuelle Strahlenreaktion des einzelnen Patienten zu erhöhen. Perspektivisch sollen neue spezielle Mundpflegeprodukte entwickelt werden.
An der Studie wirken unter anderen Prof. Dr. Nadine Schlüter, Dr. Benedikt Luka, Dr. Denis Hoogestraat, Lara Elias, Prof. Dr. Hans Christiansen, Dr. Robert Blach, Silke Mainwaring, PD Dr. Natalia Bogdanova und Dr. Christian Lanfermann mit.
Hier finden Sie weitere Informationen:
Klinik für Zahnerhaltung, Parodontologie und Präventivzahnmedizin
Klinik für Zahnerhaltung, Parodontologie und Präventivzahnmedizin
30625 Hannover
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