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Immunzellen für Therapien und Medikamente herstellen

20. 08. 2026
Verfasst von: Nico Lachmann, Daniela Paasch

Immunzellen für Therapien und Medikamente herstellen

Das Mikroskopie-Bild zeigt rund oder lanzettenförmig erscheinende kleine Zellen. Einige lagern sich sternförmig an größere Zellhaufen. © Daniela Paasch, MHH
Genetisch optimierte Fresszellen (Makrophagen) können Krankheitserreger gezielt erkennen und eliminieren. Hier lagern sich grün markierte Fresszellen um inaktivierte, zuvor rot markierte Mykobakterien (Mycobacterium tuberculosis) und nehmen sie auf, wodurch sie gelb erscheinen.

In der Therapie und der Arzneimittelforschung gewinnen Immunzellen zunehmend an Bedeutung. Sie werden nicht nur als Wirkstoffe selbst eingesetzt, sondern können auch als hochsensitive biologische Sensoren dienen. Doch für neue Anwendungen fehlen meist geeignete biologische Modelle. Eine Arbeitsgruppe der Medizinischen Hochschule Hannover entwickelt innovative Technologien, um optimierte Immunzellen gezielt herzustellen, damit sie krankhafte Strukturen effizienter aufspüren und beseitigen.

Skalierbare Produktion von programmierten Immunzellen

Moderne Immuntherapien und sichere Arzneimittel zu entwickeln wird weniger durch Ideenmangel gebremst als vielmehr durch fehlende geeignete biologische Modelle beziehungsweise Zellen. Klassische Zelllinien und Tiermodelle spiegeln das komplexe menschliche Immunsystem nur unzureichend wider, während primäre Immunzellen kaum in gleichbleibender Qualität verfügbar sind. Genau an dieser Stelle setzt die skalierbare Immunzellproduktion an, welche die Medizinische Hochschule Hannover (MHH) und das Fraunhofer ITEM weiter vorantreiben. „Wir kombinieren neueste Stammzell-Technologien und können somit menschliche Immunzellen erstmals in großen Mengen standardisiert und reproduzierbar herstellen“, erklärt Prof. Dr. Nico Lachmann von der MHH. Auf dieser neuen technologischen Basis lassen sich Zelltherapien industriell realisieren und gleichzeitig Medikamente realitätsnaher und sicherer entwickeln.

Die Grafik veranschaulicht anhand verschiedener Zelltypen das System der Immuntherapie: Aus induzierten pluripotenten Stammzellen eines Patienten werden optimierte Makrophagen hergestellt. Diese bekämpfen Tumore, Fibrosen, Mikroorganismen und neurodegenerative Erkrankungen. © Nico Lachmann, MHH
Immuntherapie: Weiße Blutzellen des Immunsystems werden genetisch so verändert, dass sie gezielt Krankheitsauslöser im eigenen Körper erkennen und bekämpfen. Hier werden aus Stammzellen Makrophagen (Fresszellen) produziert, die Tumorzellen, Gewebewucherungen, Krankheitserreger oder erkrankte Nervenzellen eliminieren.

Immunzellen sind zentrale Akteure des körpereigenen Abwehrsystems. Sie erkennen Krankheitserreger, zerstören entartete Zellen und steuern komplexe Entzündungs- und Heilungsprozesse. Mit den Fortschritten in der skalierbaren Immunzellproduktion „können wir besser verstehen, wie Krankheiten entstehen, insbesondere entzündliche und infektiöse Lungenerkrankungen“, sagt Nico Lachmann. Diese Infektionskrankheiten werden an der MHH und dem Deutschen Zentrum für Lungenforschung (DZL) erforscht. Die Immunzellproduktion bildet zudem den Grundstein für neuartige zellbasierte Immuntherapien und für die Entwicklung sicherer und effizienterer Medikamente.

Immuntherapien – Immunzellen als Wirkstoff

Bei innovativen Immuntherapien stehen die Immunzellen selbst im Zentrum. Das Team um Nico Lachmann arbeitet daran, Fresszellen (Makrophagen) gezielt genetisch zu verändern, damit sie Krankheitserreger oder veränderte Körperzellen effizienter aufspüren und beseitigen können. Dieser Ansatz wird im RESIST-Forschungsverbund für die Bekämpfung schwerer Infektionen genutzt. Das Konzept lässt sich auch auf onkologische Erkrankungen anwenden, bei denen programmierte Immunzellen Tumorzellen erkennen und gezielt zerstören sollen. Die Kombination aus Stammzell-basierter Zellherstellung und genetischer Modifikation eröffnet dabei neue Möglichkeiten, Immuntherapien präziser, wirksamer und besser kontrollierbar zu gestalten.

Das Mikroskopie-Bild zeigt verschieden farbig markierte Zellen. © Daniela Paasch, MHH
Genetisch modifizierte Fresszellen (grün) erkennen gezielt Krebszellen (rot). Fresszellen, die Krebszellen aufgenommen haben (Pfeil), erscheinen in der Überlagerung gelb-grün.

Arzneimittelsicherheit durch biologische Detektoren

Die Immunzelltechnologie spielt auch eine wachsende Rolle in der Arzneimittelsicherheit. Das Team nutzt die skalierbare Immunzellproduktion, um standardisierte Testsysteme auf Basis menschlicher Fresszellen aufzubauen, wie sie für Wirkstofftests im Umfeld des DZL relevant sind. „Diese Zellen reagieren extrem empfindlich auf Verunreinigungen oder unerwünschte biologische Aktivitäten in Medikamenten“, erläutert Nico Lachmann. „So können potenziell gefährliche Substanzen frühzeitig erkannt werden, noch bevor sie Patienten erreichen.“ Immunzellen werden damit zu lebenden Prüfsystemen, die die Sicherheit moderner Arzneimittel auf ein neues Niveau heben und gleichzeitig die Entwicklung innovativer Wirkstoffe beschleunigen.

 

Hier finden Sie weitere Informationen:

Zitation: Lachmann, N., & Paasch, D. (2026). Immunzellen für Therapien und Medikamente herstellen. TI-Magazin (Technologie-Informationen), „ti“ 1+2/2026: Die Medizin der Zukunft. https://doi.org/10.60479/4Z2R-A062
Prof. Dr. Nico Lachmann
Adresse
Medizinische Hochschule Hannover
Klinik für Pädiatrische Pneumologie, Allergologie und Neonatologie
Prof. Dr. Nico Lachmann
Adresse
Medizinische Hochschule Hannover
Klinik für Pädiatrische Pneumologie, Allergologie und Neonatologie
Medizinische Hochschule Hannover, Wissens- und Technologietransfer
Adresse
Carl-Neuberg-Str. 1
30625 Hannover
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