07. 07. 2026
Verfasst von: Agnes Bonifacius, Sabine Tischer-Zimmermann, Britta Maecker-Kolhoff, Britta Eiz-Vesper
Immunzellen – eine Spende, ein Patient, eine Chance
Bei Menschen mit geschwächtem Immunsystem ist deren Abwehrfunktion gegen Krankheitserreger wie Viren häufig stark eingeschränkt. Antivirale Medikamente helfen in solchen Fällen nicht immer ausreichend und die Behandlung kann mit erheblichen Nebenwirkungen verbunden sein. Eine Alternative bietet der Transfer Virus-spezifischer Immunzellen, der sogenannten T-Zellen, von gesunden Spenderinnen und Spendern. Hierzu hat die Medizinische Hochschule Hannover das weltweit erste Register für T-Zell-Spenden aufgebaut.
Personalisierte T-Zell-Therapie aus Hannover
Unser Immunsystem verfügt über verschiedene Mechanismen, um Krankheitserreger zu bekämpfen. Neben Antikörpern spielen dabei insbesondere bestimmte weiße Blutkörperchen, die T-Zellen, eine zentrale Rolle. Antivirale T-Zellen, die speziell gegen Viren gerichtet sind, erkennen virusinfizierte Körperzellen, zerstören sie gezielt und verhindern dadurch eine weitere Ausbreitung der Infektion im Körper. Bei Menschen mit geschwächtem Immunsystem, etwa nach Stammzell- oder Organtransplantation, ist diese Abwehrfunktion häufig stark eingeschränkt. Deshalb kann der Körper Virusinfektionen – zum Beispiel mit dem humanen Zytomegalie-Virus (Herpes-Virus HHV5) oder dem Epstein-Barr-Virus (EBV) – oft nicht ausreichend bekämpfen. Zudem existieren für einige klinisch bedeutsame Viren, die schwere Krankheiten verursachen, bisher keine wirksamen Medikamente.
Körpereigene Immunabwehr wiederherstellen
Zur alternativen Behandlung immungeschwächter Patientinnen und Patienten stellt das Institut für Transfusionsmedizin und Transplantat Engineering der Medizinischen Hochschule Hannover T-Zell-Produkte von gesunden Spendern her, die bereits eine Infektion mit dem jeweiligen Virus durchgemacht und eine schützende Immunantwort entwickelt haben. Die T-Zellen werden aus ihrem Blut isoliert und anschließend den Patienten übertragen, wo sie die Virusinfektion bekämpfen und zur Wiederherstellung der körpereigenen T-Zellimmunität beitragen. Diese Behandlung kommt derzeit überwiegend für Patientinnen und Patienten nach Transplantation oder mit schweren angeborenen Immunschwächen in Frage.
Weltweit erstes Register für Virus-spezifische T-Zellen
Um die T-Zelltherapie schneller verfügbar zu machen, etablierte das Institut das weltweit erste Register für unverwandte T-Zell-Spenderinnen und -spender (alloCELL). Neben der Bestimmung der HLA-Merkmale (Human Leukocyte Antigens), die für die Kompatibilität und Wirksamkeit der Therapie entscheidend sind, wird das Vorkommen der spezifischen T-Zellen gegen unterschiedliche Viren bestimmt. Das Register wird kontinuierlich erweitert, um eine möglichst große Vielfalt an HLA-Typen und ein breites Spektrum Virus-spezifischer T-Zellen anbieten zu können – auch mit Blick auf neu auftretende Viren. Die T-Zell-Produkte werden Patientinnen und Patienten an der MHH, in Deutschland und Kliniken in Europa zur Verfügung gestellt.
Institut für Transfusionsmedizin und Transplantat Engineering
Institut für Transfusionsmedizin und Transplantat Engineering
30625 Hannover
30625 Hannover