18. 03. 2026
Verfasst von: David Duncker
Immer nah am Herzschlag: das mobile EKG-Gerät
Wohl jeder Mensch hat das schon einmal erlebt – das Herz rast, schlägt bis zum Hals oder setzt kurz aus. Für Menschen mit Herzerkrankungen können solche Herzrhythmusstörungen gefährlich werden. Diese Störungen lassen sich jedoch bei ärztlichen Untersuchungen nicht immer nachweisen. Die Medizinische Hochschule Hannover setzt als weltweit erste Klinik eine Innovation in der Kardiologie um: Herzdaten gelangen über ein mobiles EKG-Gerät in Echtzeit in die elektronische Patientenakte. Damit verbessert sich die Behandlung herzkranker Menschen deutlich.
Vorhofflimmern erkennen, Behandlung verbessern
Herzrhythmusstörungen kommen häufig vor, auch bei gesunden Menschen. Statistisch gesehen entwickelt jeder Dritte ein Vorhofflimmern, meist im fortgeschrittenen Alter. Das Herz schlägt dann zu schnell und unregelmäßig. Vorhofflimmern ist die häufigste Rhythmusstörung und kann das Risiko für Herzschwäche und Schlaganfälle erhöhen. Die Diagnose ist allerdings nicht immer einfach zu stellen, da vereinzelte EKGs (Elektrokardiogramme) die Herzstörungen nicht immer oder zu selten erfassen. Doch nun gibt es eine technische Neuerung, die das Hannover Herzrhythmus Centrum (HHC) der Klinik für Kardiologie und Angiologie weltweit als erstes einsetzte: das EKG-Gerät AliveCor für unterwegs. Hierfür kooperiert die MHH mit den Medizintechnik-Unternehmen GE HealthCare und AliveCor.
Schnellere Diagnosen, weniger Klinikaufenthalte
„Die neue technische Lösung erleichtert es deutlich, Vorhofflimmern und andere Herzrhythmusstörungen zu erkennen“, erklärt Prof. Dr. David Duncker vom HHC. Das funktioniert so: Patientinnen und Patienten erhalten ein mobiles EKG-Gerät in der Größe einer Scheckkarte, das mit dem privaten Handy gekoppelt ist. Bei plötzlich auftretenden Herzrhythmusstörungen oder nach Bedarf zeichnen sie über die Fingerkuppen die Herzdaten auf. Diese Daten übertragen sie direkt an die Klinik, die dann automatisch in die elektronische Patientenakte gelangen. Das medizinische Personal kann auf die aufgezeichneten EKG-Daten nahezu jederzeit zugreifen, sie mit früheren vergleichen und auswerten. „Wir erhalten mehr Vergleichsdaten, können schneller Diagnosen stellen, die notwendige Therapie einleiten und die Nachsorge verbessern“, hebt David Duncker die Vorteile hervor.
Mit IT-Systemen und Datenschutz abstimmen
Die praktische Implementierung der Technologie dauerte rund zwei Jahre, bis die notwendigen Abstimmungen mit den IT-Systemen der Klinik und dem Datenschutz erfolgt waren. Nach Ansicht des Kardiologen hat sich das Engagement gelohnt. „Mit der neuen Technik können wir die Herzpatientinnen und -patienten besser versorgen und reduzieren damit die Zahl erneuter Klinikaufenthalte,“ stellt David Duncker fest. Für die Patienten wiederum ist es beruhigend zu wissen, dass ihre EKGs im Verdachtsfall sofort ärztlich überprüft werden können und nicht erst bei der nächsten Kontrolluntersuchung in der Klinik. Der Mediziner betont allerdings auch, dass das mobile EKG-Gerät kein Notfallsystem ist und die Datenauswertung nicht rund um die Uhr erfolgen kann. Nach jeweils vier Wochen werden andere geeignete Patienten damit ausgestattet.
Hannover Herzrhythmus Centrum
Klinik für Kardiologie und Angiologie
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30625 Hannover
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