18. 06. 2026
Verfasst von: Tobias Krahn
Geschichten erzählen mit Roboter „Ameca“
Roboter „Ameca“ erzählt eine Geschichte oder bietet Sitzgymnastik an – die Seniorinnen und Senioren machen interessiert mit. Die Medizin der Zukunft umfasst nicht nur neue Therapien oder Wirkstoffe, sondern auch innovative Formen sozialer Unterstützung. Gerade in Pflegeeinrichtungen gewinnen Angebote an Bedeutung, die Teilhabe, Aktivierung und Lebensqualität fördern. Das OFFIS – Institut für Informatik testet den Einsatz sozial-interaktiver Robotik und sammelt vielversprechende Erfahrungen.
Sozial-interaktiver Robotik unterstützt in Pflegeheimen
Neugierig und aufmerksam blicken die Bewohnerinnen und Bewohner eines Pflegeheims auf den humanoiden Roboter „Ameca“. Er erzählt mit weiblicher Stimme eine Geschichte, einmal sachlich vorgetragen, einmal mit bewusst eingesetzter Mimik und Gestik. Ein anderes Mal fordert „Ameca“ die Senioren zu einer Sitzgymnastik auf und zwinkert ihnen aufmunternd zu. Forscherinnen und Forscher vom Informatikinstitut OFFIS beobachten die Situation genau: Wie reagieren die älteren Menschen auf den Roboter? Akzeptieren sie ihn? Welche Rolle spielen dabei seine Mimik, Gestik und Sprache? Können interaktive Roboter mit sozialen Angeboten das Pflegepersonal unterstützen? Das erprobte das OFFIS-Team im Projekt „Cluster Zukunft der Pflege“ mit Pilotstudien in mehreren Pflegeeinrichtungen.
Akzeptanz durch Transparenz und Freiwilligkeit
„Die Bewohnerinnen und Bewohner nahmen insbesondere die lebendige Erzählweise positiv wahr“, gibt Dr.-Ing. Tobias Krahn die Rückmeldungen wieder. „Viele beschrieben die Erfahrung als ungewohnt, aber zugleich als angenehm, unterhaltsam und anregend.“ Der Projektkoordinator betont, dass „der Roboter nicht als Ersatz menschlicher Nähe verstanden wurde, sondern als ergänzendes Angebot im Alltag“. Neben dem gemeinsamen Erleben standen Gespräche über Eindrücke, Gefühle und Erwartungen im Mittelpunkt. „Dabei wurde deutlich, dass Offenheit gegenüber neuer Technologie stark davon abhängt, wie sie eingeführt wird“, sagt Tobias Krahn. Transparenz, freiwillige Teilnahme und die Einbettung in bekannte soziale Formate wie Sitzgymnastik oder gemeinsames Singen erwiesen sich als entscheidend.
Interaktion zwischen Menschen und Roboter
Das Projektteam sieht in diesem Ansatz neue Perspektiven, die sich Pflegeeinrichtungen und Unternehmen eröffnen. Soziale Robotik kann niedrigschwellige Aktivierungsangebote unterstützen, Personal entlasten und neue Formen der Interaktion ermöglichen – vorausgesetzt, ethische, rechtliche und soziale Aspekte werden von Beginn an mitgedacht. Die bisherigen Ergebnisse zeigen: Soziale Aktionen mit Robotern können Brücken bauen zwischen Technologie und Mensch – und damit ein Baustein der Medizin und Pflege der Zukunft sein. Das Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt fördert das Projekt. Roboter Ameca wurde von Engineered Arts Ltd. (Großbritannien) entwickelt und von OFFIS für den Pflegeeinsatz angepasst.