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Ein Blutgefäß aus dem 3D-Drucker wird lebendig

01. 09. 2026
Verfasst von: Cornelia Blume

Ein Blutgefäß aus dem 3D-Drucker wird lebendig

Die Illustration zeigt eine saumfreie Röhre, durch die rote Blutkörperchen fließen. Die Stützstruktur besteht aus mehreren Wandschichten in verschiedenen Farben und Strukturen. Darüber tritt aus dem Druckkopf des 3D-Druckers ein Polymerfaden aus, der in unterschiedlichen Mustern um die rotierende Röhre gewickelt wird. © TCI, Uni Hannover
Ein elastisches Implantat hilft bei Gefäßerkrankungen, dass sich ein neues Blutgefäß bilden kann. Im 3D-Herstellungsprozess wird die röhrenförmige Stützstruktur für das spätere Gefäß in mehreren Schichten gedruckt. Die verschieden strukturierten Schichten werden mit spezifischen Zellen besiedelt; sie bilden die Gefäßinnenhaut (pink), eine elastische Membran (dunkelpink), eine Gefäßmuskelschicht (rot) und außenliegendes Bindegewebe (weiß).

Verengte Blutgefäße wie bei der Atherosklerose können schwerwiegende Herz-Kreislauf-Erkrankungen auslösen. Ersatzgefäße können helfen, zum Beispiel als Stent oder Bypass. Doch insbesondere bei älteren Patientinnen und Patienten sind eigene Venen als Ersatz nicht in ausreichender Qualität verfügbar. Synthetische Implantate sind meist durch dauerhafte Gerinnungshemmung und Infektionen komplikationsträchtig. Die Leibniz Universität Hannover entwickelt daher bioartifizielle Gefäßprothesen, um die Behandlung nachhaltig zu verbessern.

Die Vision von 3D-gedruckten künstlichen Organen

Neuartige Materialien für Implantate, die mit patienteneigenen Zellen besiedelt werden, entwickelt die Arbeitsgruppe Biomedizintechnik für Diagnostik und Tissue Engineering am Institut für Technische Chemie. Eine innovative Prothese für Blutgefäße besteht aus dem biologisch abbaubaren Kunststoff Polycaprolacton (PCL) und gleicht der Struktur der menschlichen Arterie. Grundlage ist ein skalierbares, standardisierbares 3D-Druck-Verfahren mit präzise definierten Parametern. Das resultierende PCL-Rohr wird verdichtet und mit Fibrin beschichtet, wodurch es effizient mit Zellen besiedelt werden kann. „Auf diese Weise entsteht ein biohybrides Gefäß, mit dem sich Gefäßerkrankungen besser behandeln lassen“, sagt AG-Leiterin Prof. Dr. Cornelia Blume. Die Produktionsmethodik für das Gerüst (Scaffold) meldet die Leibniz Universität derzeit zum europäischen Patent an.

Neues Blutgefäß wächst heran, Gerüst baut sich ab

Die 3D-Gerüste lassen sich schnell herstellen und in wenigen Tagen zuverlässig mit menschlichen Gefäßinnenhautzellen (Endothel) aus dem Bioreaktor besiedeln. Diese Vorbesiedelung verbessert die frühe Funktionalität und reduziert Komplikationen durch Thrombosen. „Während sich im Körper neue Zellen aus dem Blut der Patienten an das Gerüst anlagern und Arteriengewebe nachbilden, baut sich die Prothese über Monate langsam ab“, erläutert Cornelia Blume den Heilungsprozess.

Zwei Finger in einem blauen Laborhandschuh halten ein weißes Röhrchen mit strukturierter Binnenstruktur. Die Finger drücken das Röhrchen leicht zusammen. © TCI, Uni Hannover
Die elastische PCL-Gefäßprothese ist mit Fibrin umhüllt. Sie dient als Stützstruktur für anwachsende Zellen und fördert die Ausbildung einer neuen Arterienwandstruktur. Während die aufgesiedelten Zellen neue Wandmatrix produzieren, baut sich die Prothese über Monate langsam ab. Das Blutgefäß bleibt dabei aber immer mechanisch stabil.

Ihr Team nutzt für die Zellbesiedlung der Gefäßimplantate einen selbst entwickelten pulsierenden Rotationsbioreaktor. In-vivo-Untersuchungen im Mausmodell zeigten eine geordnete Umbauphase (Remodeling) des Gewebes, ohne immunologische Abwehrreaktionen auszulösen. In-vitro-Degradationsstudien bestätigten die Stabilität des Gerüstmaterials. Langkettiges PCL ist im Vergleich zu anderen Polymeren widerstandsfähiger, während die Fibrinbeschichtung Zellwachstum und Zelladhäsion fördert. 

Eine Person mit Laborhandschuhen und Schutzbrille hält das zylinderförmige Bioreaktorgehäuse in Händen, das rote Flüssigkeit enthält. Der Zylinder ist über Schläuche an weitere Gefäße mit Mediumvorrat und an technische Geräte wie etwa Pumpen angeschlossen. © TCI, Uni Hannover
Im Gefäßbioreaktor wird die Stützstruktur aus PCL-Fibrin eingespannt und mit Nährmedium wellenförmig um- und durchspült. Im Inneren der Stützstruktur aufgebrachte Endothelzellen besiedeln die Gefäßröhre. Im rotierenden Reaktorgehäuse bildet sich nach und nach eine zusammenhängende Endothelzellschicht.

Langzeituntersuchung zu Sicherheit und Stabilität

Zur weiteren Erprobung plant die Arbeitsgruppe eine Tierstudie im Schwein zur Testung der Blutungssicherheit, Thromboseprophylaxe und Langzeitstabilität über mehrere Monate. Diese Untersuchungen sind aus Forschungssicht essenziell, um den Weg für eine anschließende klinische Studie zum peripheren Bypass-Ersatz beim Menschen zu ebnen. Die erfolgt in Zusammenarbeit mit Prof. Dr. Mathias Wilhelmi am St. Bernward Klinikum Hildesheim und an der Medizinischen Hochschule Hannover. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft fördert das Projekt.

Redaktioneller Hinweis: Dieser Text steht unter der CC BY 3.0 DE-Lizenz
Zitation: Blume, C. (2026). Ein Blutgefäß aus dem 3D-Drucker wird lebendig. TI-Magazin (Technologie-Informationen), „ti“ 1+2/2026: Die Medizin der Zukunft. https://doi.org/10.60479/J0ED-FH81
Prof. Dr. med. Cornelia Blume
Adresse
Leibniz Universität Hannover
Institut für Technische Chemie
NIFE – Niedersächsisches Zentrum für Biomedizintechnik, Implantatforschung und Entwicklung
Prof. Dr. med. Cornelia Blume
Adresse
Leibniz Universität Hannover
Institut für Technische Chemie
NIFE – Niedersächsisches Zentrum für Biomedizintechnik, Implantatforschung und Entwicklung
Leibniz Universität Hannover, uni transfer
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