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Bacta Implants – personalisierte Wirkstofftherapie

17. 09. 2026
Verfasst von: Verena Scheper, Annika Buchholz

Bacta Implants – personalisierte Wirkstofftherapie

Eine Ärztin untersucht das Trommelfell einer Patientin und schaut dazu durch ein Okular. Das Ohr ist hell beleuchtet. © HNO, MHH
Die Ursachen eines Hörsturzes lassen sich mit Tabletten oder Injektionen oft nicht ausreichend behandeln. Individuell angepasste Arzneimittel-Implantate sollen den Wirkstoff nun gezielt und lokal begrenzt im Innenohr freisetzen.

Täglich passiert es Menschen weltweit: Plötzlich können sie auf einem Ohr nichts mehr hören. Die Ursachen des umgangssprachlichen Hörsturzes lassen sich oft nicht ausreichend behandeln, weil Wirkstoffe aus Tabletten oder Injektionen das Innenohr nicht effizient erreichen. Gegen dieses bislang ungelöste klinische Problem entwickelt ein Forschungsteam der Medizinischen Hochschule Hannover eine alternative Therapieform: Personalisierte Implantate setzen die Wirkstoffe genau dort frei, wo sie benötigt werden.

Plötzlichen Hörverlust effizienter behandeln

Konventionelle Behandlungen bei plötzlich auftretendem Hörverlust (sudden sensorineural hearing loss) erfolgen meistens über Tabletten oder Infusionen. Doch obwohl wirksame Medikamente verfügbar sind, scheitert die Therapie in vielen Fällen. Der Grund: Der Wirkstoff erreicht das Innenohr nur in sehr geringer Konzentration, weil er den langen Weg über den Blutkreislauf nimmt. Überdies treten bei entsprechend höheren Dosierungen häufig Nebenwirkungen auf. Daher verfolgt ein Team der Hals-Nasen-Ohrenklinik der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) einen neuartigen Ansatz: Das innovative Projekt Bacta Implants hat die effektive und gezielte lokale Wirkstofftherapie im Innenohr zum Ziel – minimalinvasiv und lokal begrenzt.

Die Grafik zeigt die Anatomie des Ohres mit Ohrmuschel und Gehörgang; das Mittelohr mit Trommelfell, Gehörknöchelchen und ovalem Fenster; das Innenohr mit Cochlea und Hörnerv. © HNO, MHH
Ein elastisches Implantat wird passgenau für die patientenspezifische Anatomie der Rundfensternische an der Grenze zwischen Mittel- und Innenohr gefertigt. Es setzt den Wirkstoff genau dort frei, wo er gebraucht wird.

Implantat bringt Wirkstoff an den Zielort

Kern der Technologie ist die Kombination aus pharmakologischer Therapie und Medizintechnik. Ein patientenspezifisches, elastisches Implantat, das passgenau für die individuelle Anatomie der Rundfensternische des Innenohrs gefertigt wird, setzt den Wirkstoff genau dort frei, wo er gebraucht wird. Dafür erstellt der behandelnde Arzt röntgenologisch 3D-Aufnahmen vom Ohr. „Die Implantate stellen wir mithilfe moderner 3D-Druck- und Fertigungstechnologien her und beladen sie mit dem bewährten entzündungshemmenden Wirkstoff Dexamethason“, erklärt Projektleiterin Prof. Dr. Verena Scheper. Das Rundfensternischen-Implantat wird in einem minimalinvasiven Eingriff direkt am Übergang zwischen Mittel- und Innenohr platziert und kann dort den Wirkstoff gezielt und über einen definierten Zeitraum freisetzen.

Das Foto zeigt den Innenraum eines 3D-Druckers mit verschiedenen Behältern und Schläuchen. © HNO, MHH
Ein entscheidender Meilenstein ist erreicht: Für das personalisierte, 3D-gedruckte Arzneimittel-Implantat liegt eine behördliche Herstellungserlaubnis für Prüfpräparate vor. Nun kann es in einer klinischen Studie erstmals am Patienten untersucht werden.

Arzneimittel-Implantate aus dem 3D-Druck

Bacta Implants hat nun einen entscheidenden Meilenstein erreicht: „Nach aktuellem Kenntnisstand ist es das erste Projekt weltweit, das über eine behördliche Herstellungserlaubnis für personalisierte, 3D-gedruckte Arzneimittel-Implantate zum Einsatz in einer klinischen Studie verfügt“, freut sich Verena Scheper über den Erfolg. Somit kann sie mit ihren Kolleginnen Annika Buchholz, Marleen Grzybowski und Martina Knabel die Technologie erstmals am Patienten prüfen. Das stellt einen wesentlichen Schritt in der Translation universitärer Forschung in die klinische Anwendung dar. Parallel dazu bereitet sich Bacta Implants auf die Ausgründung aus der MHH vor, um die entwickelte Technologie langfristig in die Patientenversorgung zu überführen und perspektivisch auch auf andere lokale Wirkstofftherapien auszuweiten. Gefördert wird das Team über das Institute for Biomedical Translation Lower Saxony (IBT) vom niedersächsischen Ministerium für Wissenschaft und Kultur und der VolkswagenStiftung.

Weitere Partner sind der Incubator for Smart Information Technologies (SMINT@Hannover), die Universitätsmedizin Rostock, das Bundesministerium für Bildung und Forschung sowie die HörSys GmbH.

Auf dem Gruppenfoto mit 6 Frauen halten die beiden in der Mitte das Projekt-Logo „Bacta Implants – your personalized therapy“ in der Hand. © HNO, MHH
Frauenpower in der Wissenschaft: Annika Buchholz (von links), Martina Knabel, Prof. Dr. Verena Scheper, Marleen Grzybowski, Priska Fleischer und Summer Prickschat bereiten die Ausgründung von Bacta Implants aus der MHH vor. Die Gründerinnen wollen die neue Technologie langfristig in die Patientenversorgung überführen.

Hier finden Sie weitere Informationen:

Zitation: Scheper, V., & Buchholz, A. (2026). Bacta Implants – personalisierte Wirkstofftherapie. TI-Magazin (Technologie-Informationen), „ti“ 1+2/2026: Die Medizin der Zukunft. https://doi.org/10.60479/ZKQS-7Z55
Prof. Dr. Verena Scheper
Adresse
Medizinische Hochschule Hannover
Klinik für Hals-Nasen-Ohrenheilkunde
Prof. Dr. Verena Scheper
Adresse
Medizinische Hochschule Hannover
Klinik für Hals-Nasen-Ohrenheilkunde
Medizinische Hochschule Hannover, Wissens- und Technologietransfer
Adresse
Carl-Neuberg-Str. 1
30625 Hannover
Medizinische Hochschule Hannover, Wissens- und Technologietransfer
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30625 Hannover

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