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ArtifiCell revolutioniert die Medikamentenentwicklung

08. 06. 2026
Verfasst von: Arne Hofemeier

ArtifiCell revolutioniert die Medikamentenentwicklung

Zwei Finger im blauen Laborhandschuh halten einen Plexiglasdeckel, von dem dünne Glas-Stäbchen nach unten ragen. Zwischen je zwei Stäbchen befindet sich am Ende eine weißliche geleeartige Masse. © ArtifiCell GmbH
Mit der innovativen, patentierten Mikroplatte (Teilansicht) lassen sich Funktionsmessungen und Wirkstofftests an menschlichen Geweben vornehmen – ganz ohne Tierversuche. Die funktionalen Mini-Gewebe wachsen an den Stäbchenenden in einem Proteingerüst heran.

Um neue Wirkstoffe zu testen, bietet ein Spin-off der Universität Göttingen eine zuverlässige, automatisierbare und ethisch vertretbare Alternative zu Tierversuchen und herkömmlichen Zellkulturen: Die ArtifiCell GmbH nutzt eine eigens entwickelte und patentierte Mikroplatte, um funktionale Gewebe wie Herz-, Skelettmuskel-, Haut- und Bindegewebe zu kultivieren. Auf der gleichen Plattform ist es erstmals möglich, auch die Funktion des Gewebes hochauflösend in Echtzeit zu untersuchen, zum Beispiel unter Einfluss von Wirkstoffen.

Wirkstoffe an gezüchtetem Organgewebe testen

Heutzutage werden neue Wirkstoffe oft noch in flachen 2D-Einzelzellkulturen oder an Tieren getestet. Doch diese Modelle sagen nur begrenzt vorher, wie ein Medikament beim Menschen wirkt. Teure Fehlschläge in späten Entwicklungsphasen sind die Folge. „Wie könnten wir neue Medikamente schneller, günstiger und zugleich tierfreundlicher entwickeln?“, fragte sich Dr. Arne Hofemeier. Was als Grundlagenforschung zur Muskelregeneration in seiner Doktorarbeit begann, führte in ein innovatives Spin-off der Universität Göttingen. Mit seinen Forscherkollegen Mattias Luber, Bruno Schmelz, Dr. Till Münker und Prof. Dr. Timo Betz gründete der Biomediziner die ArtifiCell GmbH. Sie entwickelten eine Plattform, auf der sie menschliche Gewebe dreidimensional züchten, analysieren und Medikamententests präziser und ethischer ausführen.

Die Illustration zeigt die offene Seite eines kompakten Behälters. In einem Röhrchen befindet sich eine violette Flüssigkeit. Da hinein ragen zwei Stäbchen, die ganz unten mit einer weißen Masse verbunden sind. © ArtifiCell GmbH
Die funktionalen dreidimensionalen Mini-Gewebe wachsen in Nährflüssigkeit heran. So lassen sich menschliche Herz-, Muskel- und Bindegewebe kultivieren. Die komplette Mikroplatte kann dann auf ein Mikroskop gestellt und untersucht werden.

Mikroplatte reduziert Zeit, Kosten und Tierversuche

Herzstück ist eine spezielle Mikroplatte, auf der sich funktionales menschliches Gewebe wie Skelettmuskel, schlagendes Herzgewebe, Haut oder Bindegewebe kultivieren lässt. Das Besondere: „Zum ersten Mal können wir hochauflösende Live-Mikroskopie mit präzisen Funktionsmessungen – etwa Muskelkraft oder Herzschlagfrequenz – direkt auf der Plattform kombinieren“, betont Arne Hofemeier. Die 3D-Gewebemodelle von ArtifiCell filtern unwirksame Substanzen frühzeitig heraus, sparen Zeit und Kosten und reduzieren Tierversuche. Sie stehen im Einklang mit modernen Vorgaben der EU und der US-Behörde für Lebens- und Arzneimittel (U.S. Food and Drug Administration, FDA).

Die mikroskopischen Aufnahmen zeigen gesundes Gewebe mit vielen langen Fasern, die grünlich leuchten, und krankes Gewebe mit nur wenigen grünen Fasern. © ArtifiCell GmbH
Unter dem Mikroskop ist gezüchtetes menschliches Muskelgewebe zu sehen. Im gesunden Gewebe links sind viele Muskelfasern (grün) ausgebildet. Im Gewebe rechts mit erkrankten Muskelzellen haben sich weniger Fasern gebildet.

Marktreife Lösungen für Forschung und Pharmaindustrie

Neben der patentierten Mikroplatte bietet ArtifiCell elektronische Stimulationsgeräte und spezialisierte Analyse-Software für exakte Messungen. Die Technologie ist kompatibel mit gängiger Laborausstattung und lässt sich leicht integrieren. Damit hat das vielversprechende Biotech-Unternehmen eine Plattform-Technologie entwickelt, die in der Pharma- und Forschungswelt Interesse weckt. „Wir glauben an eine vorhersagbarere, effizientere und ethischere Arzneimittelentwicklung – mit deutlich weniger Tierversuchen,“ zeigt sich Arne Hofemeier überzeugt. Mit ArtifiCell könnte dieser Anspruch bald neuer Branchenstandard werden: Mit Patentanmeldungen und einer klaren ethischen Mission zeigt das Gründerteam, wie aus universitärer Spitzenforschung marktreife Lösungen entstehen. 

Fünf Männer stehen neben einem Banner des Gründungswettbewerbs LIFT-OFF. Lächelnd zeigen sie eine Urkunde in die Kamera. © Christoph Mischke
Das Team von ArtifiCell räumt den Publikumspreis sowie den Life Science Preis des Gründungswettbewerb LIFT-OFF in 2025 ab: Mattias Luber (von links), Bruno Schmelz, Dr. Till Münker, Dr. Arne Hofemeier und Prof. Timo Betz. Außerdem belegt das Start-up Platz 1 beim Innovationspreis der Wirtschaftsregion Göttingen 2025.
Redaktioneller Hinweis: Dieser Text steht unter der CC BY 3.0 DE-Lizenz
Zitation: Hofemeier, A. (2026). ArtifiCell revolutioniert die Medikamentenentwicklung. TI-Magazin (Technologie-Informationen), „ti“ 1+2/2026: Die Medizin der Zukunft. https://doi.org/10.60479/TCQK-PM07
Dr. Arne Hofemeier
Adresse
ArtifiCell GmbH
Dr. Arne Hofemeier
Adresse
ArtifiCell GmbH
Georg-August-Universität Göttingen, Forschung und Transfer
Adresse
Von-Siebold-Str. 4
37075 Göttingen
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