08. 01. 2026
Verfasst von: Wolfgang Maus-Friedrichs, Lienhard Wegewitz, Maria Barthels
Plasma reinigt Walzen in der Kunststoffproduktion
Die kunststoffverarbeitende Industrie hat das Problem, dass es durch die notwendige Reinigung von Walzen zu Produktionsausfällen kommt. Die Technische Universität Clausthal hat in Kooperation mit zwei Unternehmen eine Lösung entwickelt: Unter Verwendung eines Plasmas, dem vierten Aggregatzustand der Materie, werden Walzen in der Folienproduktion berührungslos und ohne Produktionsunterbrechung gereinigt. Erste Anlagen sind bereits erfolgreich in Betrieb, das Interesse wächst.
Berührungslos, sicher und ohne Produktionsausfall
Reinigungszyklen von Walzen in der Kunststoffproduktion verursachen üblicherweise Ausfallzeiten von 10 bis 20 Prozent. Für die händische Reinigung wird die Produktion unterbrochen – ein enormer Kostenfaktor für das Unternehmen und ein erhebliches Gesundheitsrisiko für die ausführenden Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen. Die Zufallsbegegnung bei einem Industriearbeitskreis brachte Prof. Dr. Wolfgang Maus-Friedrichs von der TU Clausthal und Maria Barthels von der Derichs Walzenmanufaktur GmbH auf eine Idee: „Nichtthermische Plasmen werden verwendet, um Polymere auf Oberflächen zu zersetzen“, erklärt Wolfgang Maus-Friedrichs. „Damit ließen sich auch Polymerrückstände auf Walzen beseitigen – und das ohne Produktionsausfallzeiten.“
Erste Anlagen erfolgreich in Betrieb
Auf die Idee folgten erste erfolgreiche Vorversuche, Materialreste in der Produktion von Kunststofffolien zu zersetzen. In einem ZIM-Projekt entwickelten die TU Clausthal und Derichs das Verfahren ED TLC (Electronic Devices TouchlessClean) sowie einen ersten Demonstrator. Die Plasmatechnologie dafür wurde von der PlasmaGreen GmbH, einer Ausgründung aus der TU Clausthal, entwickelt und zur Verfügung gestellt. Zum Projektende 2021 gelang es, ein Funktionsmuster beim Referenzkunden KP films – Linpac Packaging GmbH in Betrieb zu nehmen. „Das lief so erfolgreich, dass der Kunde daraufhin zwei ED-TLC-Anlagen beauftragte, die 2024 ausgeliefert wurden“, berichtet der Plasma-Experte.
Erfolgsfaktor für Forschungstransfer in die Praxis
Zahlreiche Unternehmen haben Interesse am ED-TLC-Verfahren signalisiert und die Beteiligten mit Vorversuchen zur Zersetzung ihrer Formmassen im Labor oder mit Versuchen direkt im Technikum oder in der Produktion beauftragt. Aktuell ist ein weiterer Produzent hochwertiger Folien als Kunde gewonnen worden. Damit etabliert sich TLC als Geschäftsbereich von Derichs und PlasmaGreen. Wolfgang Maus-Friedrichs ist zuversichtlich, dass „potentiell weltweit mehrere Tausend Produktionsstätten der Kunststoffindustrie mit jeweils mehreren ED-TLC-Anlagen bestückt werden könnten“. Dabei verweist er auf einen unterschätzten Erfolgsfaktor des Transfers von Forschungsergebnissen in ein neues Produkt: Die Derichs Walzenmanufaktur hat durch ihr bisheriges Geschäftsfeld in der Kunststoffproduktion den Marktzugang, das Vertrauen ihres Kundenstamms und damit die Gelegenheit, die neue Technologie vorzustellen.
Hier finden Sie weitere Informationen:
- PlasmaGreen GmbH
- Derichs Walzenmanufaktur GmbH Viersen
- Technologieangebot Plasmareinigung-Walzen als pdf herunterladen
Clausthaler Zentrum für Materialtechnik (CZM)
PlasmaGreen GmbH
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38678 Clausthal-Zellerfeld
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