Wissen hoch N Themen
Hörgeräte alltagstauglich einstellen mit „revoloud“

22. 09. 2026
Verfasst von: Dirk Oetting

Hörgeräte alltagstauglich einstellen mit „revoloud“

Drei Lautsprecher stehen im Halbkreis. Davor sitzt eine Frau und macht mit ihrem Finger eine Eingabe auf einem Tablet. Der Mann neben ihr erläutert den Vorgang. © Hörzentrum Oldenburg gGmbH
Ist das Hörgerät richtig eingestellt? Eine Kundin mit Hörgeräten bewertet die Lautheitswahrnehmung von natürlichen Geräuschen. Nach der Messung kann der Hörakustiker die Verstärkungswerte in den Hörgeräten individuell anpassen. Beide profitieren von der neuen, alltagsnahen Messmethode „revoloud“.

Wenn wir Sprache akustisch nicht richtig verstehen, ist das Zuhören sehr anstrengend. Selbst mit einem Hörgerät haben viele Menschen das Problem, dass laute Geräusche stören und leise Sprache oft schwierig zu verstehen ist. Für Hörakustikerinnen und -akustiker ist es eine Herausforderung, Hörgeräte individuell anzupassen. Das Hörzentrum Oldenburg gGmbH bietet eine neue Messmethode an: Mit „revoloud“ lassen sich Hörgeräte gezielter einstellen, leise Sprache passend verstärken und störende Geräusche besser herunterregulieren.

Neue Messmethode zur Anpassung von Hörsystemen

Geräusche werden individuell unterschiedlich empfunden. Personen mit einer ähnlichen Hörminderung können sich erheblich in der Lautheitswahrnehmung unterscheiden. Es gibt etablierte Verfahren, um die individuelle Lautheitswahrnehmung mit Hörgeräten zu bestimmen. In der Regel kommen schmalbandige Testsignale zum Einsatz, die für jedes Ohr getrennt gemessen werden. Viele Trägerinnen und Träger von Hörgeräten empfinden diese Art der Einstellungen jedoch im Alltag als zu laut. Forschungsergebnisse des Exzellenzclusters Hearing4all machten deutlich, warum das so ist: In vielen Fällen nimmt das geschädigte Gehör breitbandige Signale wie Sprache, Musik und Umgebungsgeräusche ganz anders wahr, als gängige Modelle es auf Grundlage der schmalbandigen Signale vorhersagen.

Eine Frau sitzt vor einem Monitor, dahinter stehen drei Lautsprecher. Der Mann neben ihr zeigt auf dem Monitor auf bunte Felder. © Hörzentrum Oldenburg gGmbH
Die Ergebnisse der revoloud-Messung lassen sich anschließend anhand der Lautheitskarte leicht auswerten.

Reale Geräusche anstelle künstlicher Signale

Auf Basis dieser Erkenntnisse haben Forscherinnen und Forscher am Hörzentrum Oldenburg eine neue Messmethode entwickelt, um die Lautheitswahrnehmung mit Hörgeräten zu überprüfen: „revoloud“ nutzt reale Alltagsgeräusche anstelle künstlicher Testsignale für die Hörgeräteanpassung und ist seit Ende 2024 für Hörakustik-Betriebe erhältlich. Testpersonen bewerten mit Hörgeräten, wie laut sie Stimmen, Geräusche, Verkehrslärm oder Warnsignale wahrnehmen. Daraus entsteht eine Lautheitskarte, die Bereiche mit Über- und Unterverstärkung sichtbar macht. Aus den Abweichungen können die Verstärkungswerte in den Hörgeräten individuell nachgestellt werden.

Das Diagramm zeigt Testergebnisse zu den Personen A, B und C mit ähnlichen Hörkurven. Daneben ist die farbige Darstellung der Lautheitskarte zu sehen. 12 Felder mit unterschiedlichen Farben zeigen Abweichungen von einer normalen Lautheitswahrnehmung an. © Hörzentrum Oldenburg gGmbH
Erstanpassung von Hörgeräten bei drei Personen (A - C) mit ähnlichen Hörkurven (Audiogramme, linke Spalte) sowie Lautheitskarte mit Erstanpassungsformel eines Hörgeräte-Herstellers (mittlere Spalte). Die Lautheitskarte macht Bereiche mit Über- und Unterverstärkung durch unterschiedliche Farben sichtbar.

Forschungserfolg – vom Labor in die Praxis

Für die individuelle Anpassung von Hörsystemen bedeutet dies einen deutlichen Fortschritt. Besonders Menschen, die trotz Hörgeräten Schwierigkeiten beim Sprachverstehen haben, profitieren von dieser alltagsnahen Methodik. Mehr als 200 Hörakustik-Betriebe in Deutschland haben bereits diese neue Methode im Einsatz. Die Anwender berichten von einer deutlich erhöhten Erstakzeptanz von Hörgeräten. Auch für die Forschung ist es ein großer Erfolg, dass „revoloud“ den Weg vom Labor in die Praxis fand. 

Im Exzellenzcluster Hearing4all arbeiten Grundlagenforschung, Medizintechnik und klinische Anwendung an den Standorten Oldenburg und Hannover eng zusammen, um Lösungen rund um das Thema Hören zu entwickeln. Das Hörzentrum Oldenburg gGmbH ist ein An-Institut der Universität Oldenburg und des Evangelischen Krankenhauses. Es schlägt die Brücke zwischen Grundlagenforschung und der Anwendung bei Hörakustikern, in Kliniken und in der Industrie.

 

Hier finden Sie weitere Informationen:

Redaktioneller Hinweis: Dieser Text steht unter der CC BY 3.0 DE-Lizenz
Citation: Oetting, D. (2026). Hörgeräte alltagstauglich einstellen mit „revoloud“. TI-Magazin (Technologie-Informationen), „ti“ 1+2/2026: Die Medizin der Zukunft. https://doi.org/10.60479/FM76-7X27
B. A. Nina Behrends
Address
Carl von Ossietzky Universität Oldenburg
Hörzentrum Oldenburg gGmbH
B. A. Nina Behrends
Address
Carl von Ossietzky Universität Oldenburg
Hörzentrum Oldenburg gGmbH
Carl von Ossietzky Universität Oldenburg, Referat Forschung und Transfer
Address
Ammerländer Heerstraße 114-118
26129 Oldenburg
Carl von Ossietzky Universität Oldenburg, Referat Forschung und Transfer
Address
Ammerländer Heerstraße 114-118
26129 Oldenburg

Bestellen Sie unseren Newsletter.
Folgen Sie uns auf LinkedIn.
Abbonieren Sie unseren RSS-Feed.