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08. 01. 2024
Verfasst von: Jan Visscher

Was ist eine gute Küste?

Ein Steg führt über den Wattboden zum Deich. Ein Schild fordert zum Fotografieren und Teilen auf. © Jan Visscher
Vom Lehrpfad des Langwarder Grodens aus können alle Besucher im Vorbeigehen mit ihren eigenen Mobiltelefonen helfen, die Entwicklung der Priele und Salzwiesen zu dokumentieren.

Mit dieser Leitfrage beschäftigt sich ein interdisziplinäres Forschungsteam im Verbundprojekt „Gute Küste Niedersachsen“. Forschende, Behörden und die Bevölkerung arbeiten vor Ort zusammen, denn die Antworten sind komplex: Die niedersächsische Küstenlandschaft bietet vielfältige Ressourcen als Wirtschafts- und Erholungsraum. Gleichzeitig beherbergt sie mit dem Wattenmeer einzigartige Ökosysteme. Nicht zuletzt muss sie im Zeitalter der Klimakrise durch einen wirksamen Küstenschutz nachhaltig vor Naturgefahren bewahrt werden.

Ökosysteme verstehen, Küstenschutz verbessern

Verschiedene Küstenökosysteme stehen dabei im Zentrum der Forschung – vom Seegatt zwischen den Inseln über Watten und Salzwiesen bis hin zur Vegetation auf dem Deich. Knapp 30 Forschende unterschiedlicher Disziplinen der Universitäten in Braunschweig, Oldenburg und Hannover untersuchen seit 2020, wie sich die maritimen Lebensräume auf die komplexen Funktionen der Küste auswirken. Sie wollen besser verstehen, welche Leistungen intakte Ökosysteme zum Beispiel beim Schutz vor Sturmfluten bieten, um diese besser in die Küstenschutz-Praxis zu integrieren und sie gleichzeitig zu stärken. Im Idealfall können die Forschenden dadurch die Küste besser auf den Meeresspiegelanstieg vorbereiten, gleichzeitig Kosten sparen und die Biodiversität verbessern.

Ein Deichabschnitt ist mal mit langen Gräsern, mal ohne Bewuchs und mal mit kurzem Gras zu sehen. © Jan Visscher
Auf dem Sommerdeich des Langwarder Grodens hat das Forschungsteam verschiedene Mischungen aus Gräsern und Kräutern ausgesät. Es vergleicht die Auswirkungen auf Bodenfeuchte, Temperatur und Widerstandsfähigkeit.

Bevölkerung vor Ort forscht mit

Da die vielfältigen Ansprüche an den Küstenraum sich teilweise entgegenstehen, strebte das Projektteam von Anfang an eine enge Einbindung aller Interessensgruppen und betroffenen Institutionen an. Reallabore bieten einen innovativen und integrativen Forschungsansatz. So wurden bereits die Standorte an der Küste und auf Spiekeroog sowie konkrete Forschungsfragen im Austausch mit den Interessengruppen ausgewählt.

Eine Sanddüne ist teilweise von langen Gräsern bewachsen und mit vierteiligen Sandfallen ausgestattet. © Oliver Lojek
Auf Spiekeroog beobachten Forschende, welche Rolle der Strandhafer beim Wachstum und der Erosion von Dünen im Verlauf eines Jahres spielt.

Die Forschenden informieren die Zivilbevölkerung über laufende Arbeiten, auch vorläufige Ergebnisse werden vorgestellt und lebhaft diskutiert. Außerdem interviewen sie die Menschen vor Ort zu ihren Vorstellungen und regen sie im Sinn von Bürgerwissenschaften zum Mitforschen an. Auf der Internet-Präsenz Gute Küste Niedersachsen werden die vielfältigen Forschungsaktivitäten und Ergebnisse vorgestellt.

Ein Messboot hält in der Nähe einer Gefahrentonne. Am Horizont zeichnet sich die Insel Spiekeroog ab. © Jan Visscher
In den Seegatten zwischen Spiekeroog und den Nachbarinseln misst das Forschungsteam die Strömungen und nimmt Proben vom Meeresboden, um die Dynamik und die Lebensräume innerhalb des Sediments besser zu verstehen.
Redaktioneller Hinweis: Dieser Text steht unter der CC BY 3.0 DE-Lizenz
Zitation: Visscher, J. H. (2024). Was ist eine gute Küste? Wissen hoch N. https://doi.org/10.60479/G4B9-2Q64
Dr.-Ing. Jan Visscher
Adresse
Leibniz Universität Hannover
Ludwig-Franzius-Institut für Wasserbau und Ästuar- und Küsteningenieurwesen
Dr.-Ing. Jan Visscher
Adresse
Leibniz Universität Hannover
Ludwig-Franzius-Institut für Wasserbau und Ästuar- und Küsteningenieurwesen
Leibniz Universität Hannover, uni transfer
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