11. 12. 2025
Verfasst von: Jennifer D'Souza
ORKG strukturiert Publikationsflut
In der wissenschaftlichen Publikationsflut wird es für Forschende immer schwieriger, den Überblick über alle relevanten Erkenntnisse zu behalten. Traditionelle Suchmaschinen helfen ihnen meist nicht weiter, in der Menge komplexer Fachliteratur effektiv zu recherchieren. Eine Lösung bietet die TIB – Leibniz-Informationszentrum Technik und Naturwissenschaften mit dem Open Research Knowledge Graph (ORKG): Er revolutioniert den klassischen textlastigen Ansatz und stellt gesuchte Inhalte strukturiert und übersichtlich dar. So wird Forschung auch für Laien zugänglicher.
Virologie – vom Stichwort zur detaillierten Übersicht
Relevante Beiträge zum jeweiligen Fachgebiet zu finden ist für Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler eine große Herausforderung angesichts der Flut von Veröffentlichungen. Die ORKG-Plattform speichert Inhalte von Forschungsbeiträgen, die weit über das bloße Stichwort hinausgehen. Die strukturierten Aufzeichnungen und Visualisierungs-Dashboards ermöglichen es den Forschenden, Fachartikel effizienter und effektiver abzurufen, zu filtern und zu vergleichen. Die neuartige Anwendung lässt sich im Bereich Virologie veranschaulichen. Hier befasst sich die Forschung zum Beispiel mit „Schätzungen von Reproduktionszahlen bei Infektionskrankheiten“. Die geschätzte Reproduktionszahl „R0“ ist ein Maß, das die mittlere Anzahl von Zweitfällen angibt, die durch eine einzelne infizierte Person in einer Bevölkerung verursacht wurde. Während der Covid-Pandemie wurde diese Reproduktionszahl häufig öffentlich genannt.
Virologie – Daten-Übersicht statt Stichwort-Liste
Auf der ORKG-Plattform gibt es zu diesem Thema allein rund 2.200 Forschungsartikel (https://orkg.org/usecases/r0-estimates). Unter Anwendung eines feinjustierten Sprachmodells (Large Language Model) erstellt der ORKG automatisiert eine strukturierte Übersicht. Er extrahiert Werte für die Bezeichnung einer Krankheit, wo sie auftritt und weitere Studiendaten aus Publikationen, die aus der großen biomedizinischen Publisher-Datenbank PubMed stammen, und speist sie in eine Datenbank ein. Die umfangreiche, strukturierte Zusammenstellung geht damit weit über die klassischen, stichwortbasierten Methoden hinaus.
Studien und Forschungsdaten visualisieren
Forschende, die auf die Anwendungsfälle der R0-Schätzungen des ORKG zugreifen, können Visualisierungs-Dashboards nutzen, um rasch relevante Studien, bestimmte Krankheiten, den Studienort sowie die geschätzten Reproduktionszahlen zu finden. Diese Methode erspart viel Zeit und reduziert die kognitive Belastung, die normalerweise erforderlich ist, um große Mengen von Textdaten zu durchsuchen. Erfahrene Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler wie auch wissbegierige Laien können so in die neuesten Erkenntnisse aus der Virologie und anderen Gebieten eintauchen. Dieses wissenschaftliche Informationssystem der nächsten Generation transformiert die Art und Weise, wie wir Wissen erschließen und nutzen, hin zu einem effizienteren, präziseren und benutzerfreundlicheren Wissenstransfer.
Forschungsgruppe Data Science & Digital Libraries
Forschungsgruppe Data Science & Digital Libraries
30169 Hannover
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