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24. 11. 2021
Verfasst von: Sebastian Losacker, Ingo Liefner

Nachhaltigere Abfallwirtschaft in Megacitys

Ein Hinweisschild fordert zur Mülltrennung auf. © Sebastian Losacker
„Jeder ist verantwortlich für die Mülltrennung.“ Die Lokalregierung in Shanghai betreibt breite Aufklärungsmaßnahmen zur Mülltrennung, unter anderem auch mit Informationstagen in Schulen.

Um globalen Herausforderungen wie der Klimakrise oder Biodiversitätskrise zu begegnen, ist die breite Anwendung von umweltfreundlichen Technologien notwendig. Insbesondere die Abfallwirtschaft muss Wege finden, die global steigenden Müllaufkommen zu verarbeiten. Wirtschaftsgeographen der Leibniz Universität Hannover erforschen am Beispiel Shanghai, wie Regionen Vorbildfunktionen einnehmen und die internationale Verbreitung von Umweltinnovationen beschleunigen können.

Kann Shanghai als Vorbild dienen für andere Großstädte?

Kreislaufwirtschaft und Müllvermeidung weisen selbstredend eine günstige Umweltbilanz auf, doch in der Realität lassen sich große Anteile des Haushaltsmülls nicht vermeiden oder weiterverwerten. „In der Tat überwiegen global Halden und Deponien als weitverbreitetste Form der Abfallentsorgung, während das Potenzial von Müllverbrennungsanlagen nicht ausgeschöpft wird“, sagt Sebastian Losacker vom Institut für Wirtschafts- und Kulturgeographie der Leibniz Universität Hannover. „Neben den negativen Umweltauswirkungen von Deponien sind diese gerade auch für dicht besiedelte Megacitys keine zukunftsfähige Option.“ In seiner Promotion erforscht er gemeinsam mit Prof. Ingo Liefner, welche regionalen Bedingungen die Verbreitung von umweltfreundlichen Technologien begünstigen. Als Fallstudie untersuchen sie die Abfallwirtschaft in Shanghai.

Eine Straße ist gesäumt von herumliegendem Müll. © Sebastian Losacker
Dysfunktionale Abfallwirtschaft in der Metropolregion Chennai in Indien – können diese und andere Regionen vom Vorbild Shanghai lernen?

Effiziente Müllverbrennung und Stromproduktion

Die Stadt Shanghai hat 2019 die Mülltrennungsregulierungen umfassend reformiert und damit die Energieproduktion in Müllverbrennungsanlagen verbessert. Diese Regulierungen ermöglichen es, dass in Shanghai derzeit die weltweit größte Müllverbrennungsanlage betrieben wird. Die Anlage verarbeitet mehr als drei Millionen Tonnen Haushaltsmüll pro Jahr und produziert Strom für mehr als eine Million Einwohner. Ihre Leistung hat sich von 400 kWh auf 600 kWh pro Tonne erhöht. Gleichzeitig ist die Anlage hoch innovativ, weil sie erstmalig Müll in dieser Skalierung verarbeiten kann und trotzdem den höchsten Umweltstandards folgt.

Internationale Diffusion von Umweltinnovationen

„Aus wirtschaftsgeographischer Perspektive ist dieses Beispiel äußerst interessant“, erläutert Sebastian Losacker, „da Shanghai durch das Zusammenspiel diverser regionaler Faktoren wie lokaler Nachfrage, hoher Innovationskraft und den unterstützenden Regulierungen als Modellregion für andere chinesische Megacitys dient.“ Der Wirtschaftsgeograph sieht in Shanghai das Potenzial, zukünftig als Leitmarkt die internationale Diffusion von umweltfreundlicheren Hightech-Müllverbrennungsanlagen voranzutreiben.

 

Redaktioneller Hinweis: Dieser Text steht unter der CC BY 3.0 DE-Lizenz.

Hier finden Sie weitere Informationen:

Prof. Dr. Ingo Liefner
Adresse
Institut für Wirtschafts- und Kulturgeographie
Leibniz Universität Hannover
Prof. Dr. Ingo Liefner
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Institut für Wirtschafts- und Kulturgeographie
Leibniz Universität Hannover
Sebastian Losacker, M. A.
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Leibniz Universität Hannover
Leibniz Universität Hannover, uni transfer
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