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Das Motorrad der Zukunft – umweltfreundlich und leise

26. 02. 2026
Verfasst von: David Schoone, Janneke Mertens-Fabian

Das Motorrad der Zukunft – umweltfreundlich und leise

Ein junger Mann in Motorradkluft sitzt auf seiner Motocross-Maschine und stützt sie mit einem Fuß auf dem Waldboden ab. Hinter ihm befindet sich ein Waldsee. © Birgit Schoone, Envecotricity
Vom Hobby zum Beruf: Der Motorsportler David Schoone baut in seinem Start-up innovative Motorräder mit elektrischem Antrieb. Dafür entwickelt er auch Chassis und Akkusystem und fokussiert sich dabei auf den Alltagsnutzen der NTRX.

Was als Tüftelei in der heimischen Garage begann, ist zur Profession geworden: David Schoone baut mit seinem Start-up Envecotricity das Motorrad der Zukunft – innovativ, umweltfreundlich und vor allem leise. Herzstück ist ein geräusch-, wartungs- und verlustarmer Elektromotor, den er patentieren ließ. Durch die Modulbauweise lässt sich das Bike für den Sport, den Alltag oder für Touren umrüsten. Unterstützt wird der Gründer dabei von der Jade Hochschule und der Universität Oldenburg.

Start-up baut innovative Antriebe für Elektrofahrzeuge

Motorräder lösen bei vielen Menschen eine Leidenschaft aus, die andere nicht nachvollziehen können. Wenn die einen von Maschinen, Motorleistung, Geschwindigkeit und Rennsport fasziniert sind, empören sich die anderen über Lärm, Schadstoffe und Umweltschäden. So ist vielerorts die Eröffnung von Motorsportparks nicht erlaubt, da sich die Nachbarschaft an der hohen Geräuschkulisse und an Schadstoffemissionen stört. „Ich kann beide Seiten sehr gut verstehen“, erzählt David Schoone. Schon als Kind begeisterte er sich für den Motorsport, war aber auch mit seiner Familie gerne in der Natur unterwegs. Der Elektroantrieb schien die optimale Lösung zu sein, doch am Markt fand er für sich nicht die geeignete Maschine. Und so reifte die Idee, das Motorrad der Zukunft selbst zu bauen. Innovativ, umweltfreundlich und vor allem leise soll es sein.

Radnabenmotor zum Patent angemeldet

Um die Ideen umzusetzen, gründete David Schoone mit seiner Mutter Birgit Schoone das Start-up Envecotricity, das für innovative Elektrofahrzeuge und Antriebskomponenten steht. Das Wort setzt sich aus Environment, Ecology und Electricity zusammen. „Mit Envecotricity entwickeln wir das Gesamtfahrzeug in Eigenregie, also vom elektrischen Antrieb über Akkusystem und Chassis bis hin zu eigenen Produktionsmaschinen und Prozessen“, hebt der Gründer hervor. Das Bike zeichnet sich durch einen geräusch-, wartungs- und verlustarmen Elektromotor aus. „Unseren wassergekühlten Axialfluss-Radnabenmotor habe ich vollständig intern entwickelt und zum Patent angemeldet“, führt er weiter aus. Neben seinen Nachhaltigkeitsaspekten macht der modulare Aufbau das Enduro-Bike „NTRX“ seiner Aussage nach zum bisher vielseitigsten Elektromotorrad weltweit.

Das Bild zeigt ein geländegängiges Sport-Motorrad, das an einen Baum neben einem Waldsee angelehnt ist. © David Schoone, Envecotricity
Das vielseitige Elektromotorrad „NTRX“ zeichnet sich durch einen geräusch-, wartungs- und verlustarmen Antrieb am Hinterrad aus. Die Motocross-Version der NTRX wird im Gelände praktisch erprobt. Durch Erweiterungsmodule lässt sie sich zum alltagstauglichen Touren-Bike umrüsten.

Vom Hobbytüftler zum Jungunternehmer

David Schoone betrieb bereits in jungen Jahren Modellbau und schraubte in der Garage an alten Maschinen herum. „Ich bin eher praktisch veranlagt und weniger der Theoretiker“, sagt er. „Am Ende des Tages will ich sehen, was ich mit eigenen Händen geschaffen habe.“ Aus dem Hobbytüftler ist ein ambitionierter Jungunternehmer geworden. Das Fachwissen erarbeitete er sich in seinem Maschinenbau-Studium an der Jade Hochschule, über die das Start-up derzeit auch das EXIST-Gründungsstipendium erhält. Die praktische Umsetzung wiederum findet nun mit Unterstützung des Innovationscampus der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg statt. Hier nutzt David Schoone die umfangreiche Ausstattung der Innovationswerkstatt, die neben einer Dreh- und Fräsmaschine auch einen Metall-3D-Drucker zur Nutzung bietet.

Auf einer Werkbank liegt ein scheibenförmiger Motor, der an ein mit Kammern gefülltes Rad erinnert. Von oben berührt ihn ein Fräskopf. © David Schoone, Envecotricity
Bearbeitung des patentierten Elektromotors: Der wassergekühlte Radnaben-Direktantrieb funktioniert nach dem Axialfluss-Prinzip. Der Stator wird auf der CNC-Fräse des Innovationscampus nachbearbeitet.

Sport-Motorrad zum Touren-Bike umrüsten

„Insgesamt ist die NTRX durch ihre Flexibilität darauf ausgelegt, sowohl den Ansprüchen im Amateursport als auch im Alltag und auf Touren bestmöglich zu genügen“, betont David Schoone. Durch eine Reihe von Erweiterungskits kann das Motorrad in kürzester Zeit von einer agilen und leichten Sport-Enduro zum reisetauglichen Adventure Bike mit bis zu 350 Kilometer Reichweite umgerüstet werden. Dazu zählen zusätzliche Verkleidungsteile, Beleuchtungen, Akkuträger und Gepäckhaltesysteme. Der speziell für Hochleistungsanwendungen entwickelte elektrische Radnaben-Direktantrieb NRGY AXF500S sitzt unmittelbar im Hinterrad und ermöglicht es, ein leistungsstarkes und hochdynamisches Motorrad zu bauen. Zudem sollen die verarbeiteten Fahrzeugteile langlebiger als bei herkömmlichen Motorrädern sein.

Ein Bohrer bohrt Löcher in eine auf einer Werkbank eingespannte Metallplatte. Rings herum liegen Metallspäne. © David Schoone, Envecotricity
Neben Antriebskomponenten für innovative Elektrofahrzeuge baut das Gründungsteam auch eigene Maschinen und entwickelt neue Produktionsprozesse. Hier wird die Motorträgerplatte gefertigt.

Eigene Produktionsmaschinen gebaut

Doch damit nicht genug: „Wir versuchen, möglichst viele Fertigungsprozesse selbst abzubilden und dafür unsere eigenen Maschinen und Vorrichtungen zu bauen“, erklärt der Gründer und führt eine spezielle Dornbiegemaschine zur Herstellung von Chassiskomponenten und Fertigungsprozesse für Motorbauteile an. Derzeit gibt es drei fahrtaugliche Entwicklungsstufen der NTRX. Der dritte und seriennahe Prototyp vereint ein weitreichend überarbeitetes Chassis, ein neu entwickeltes Akkusystem und die dritte Generation des Elektromotors.

„Dabei ist es unfassbar hilfreich, die Ressourcen der Innovationswerkstatt der Uni Oldenburg nutzen zu dürfen“, freut sich David Schoone über die Unterstützung. „Hier haben wir die Möglichkeit, anspruchsvolle Präzisionsbauteile zu fertigen und gleichzeitig die Arbeit mit modernen CNC-Maschinen von Grund auf zu erlernen, um ein vertieftes Verständnis fertigungsgerechter Gestaltung zu entwickeln.“ Das findet er für sich und andere Gründungsteams extrem wertvoll – genauso wie die Gründungsberatung der Jade Hochschule und das EXIST-Gründungsstipendium des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie.

 

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Redaktioneller Hinweis: Dieser Text steht unter der CC BY 3.0 DE-Lizenz
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David Schoone
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Universität Oldenburg
Start-up Envecotricity
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Carl von Ossietzky Universität Oldenburg, Referat Forschung und Transfer
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Ammerländer Heerstraße 114-118
26129 Oldenburg
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