Themen
Einzelansicht

12. 01. 2022
Verfasst von: Teja Tscharntke, Felix Klaus

Blütenvielfalt kompensiert Insektizid-Effekte auf Wildbienen

Ein Käfig aus hellen Netzen umspannt ein Blütenfeld. © Felix Klaus
In dem Flugkäfig für Wildbienen stehen Raps und verschiedene Blütenpflanzen als Nahrungsquelle sowie eine Nistmöglichkeit zur Verfügung.

Eine höhere Blühpflanzenvielfalt erhöht den Bruterfolg von Wildbienen und könnte helfen, negative Effekte von Insektiziden auszugleichen. Das haben Forschende der Universitäten Göttingen und Hohenheim sowie des Julius-Kühn-Instituts in einem groß angelegten Experiment festgestellt. Die Ergebnisse sind in der Fachzeitschrift Ecology Letters erschienen.

Alternative Nahrungsquellen fördern Bruterfolg

Forschende der Göttinger Abteilung Agrarökologie haben mit ihren Kooperationspartnern untersucht, wie erfolgreich sich die ökologisch und ökonomisch bedeutsame Wildbiene Osmia bicornis (Rote Mauerbiene) vermehrt. In mehr als 50 Flugkäfigen brachten sie die Wildbienen mit verschieden artenreichen Blühmischungen und insektizid-behandeltem Raps zusammen. Anschließend erfassten sie über mehrere Monate den Reproduktionserfolg der Wildbienen, gemessen an der Zahl ihrer Brut und geschlüpfter Nachkommen.

Luftaufnahme von 60 Flugkäfigen, die in drei Reihen auf einem Acker stehen. © Felix Klaus
Bei diesem Versuchsaufbau mit 60 Flugkäfigen hat das Forschungsteam den Bruterfolg der Bienen untersucht.

Wildbienen müssen ihre Nachkommen mit Pollen und Nektar versorgen. Das Forschungsteam fand heraus, dass die Wildbienen doppelt so viele Brutzellen anlegten, wenn artenreiche Blühmischungen verfügbar waren – im Vergleich zu den Tieren, die sich nur von Raps-Monokulturen ernährten. Der Reproduktionserfolg der Wildbienen erhöhte sich sowohl in Käfigen mit einer großen Blühpflanzenvielfalt als auch durch das Vorhandensein einzelner, besonders wichtiger Pflanzenarten. War für die Tiere hingegen Raps verfügbar, der mit Clothianidin, einem Insektizid aus der Klasse der Neonicotinoide, gebeizt war, verringerte sich der Reproduktionserfolg. Jedoch trat dieser negative Insektizid-Effekt nur in Käfigen mit Raps-Monokulturen auf.

In den Holzblöcken befinden sich Löcher, die schon teilweise von Mauerbienen als Nest genutzt und verschlossen wurden. © Felix Klaus
Ein Mauerbienen-Weibchen fliegt in ihr Nest.

Die Agrarökologen schließen daraus, dass negative Effekte von Insektiziden in Käfigen mit Raps und artenreichen Blühmischungen kompensiert werden. Eine mögliche Erklärung ist, dass die Bienenlarven weniger Insektiziden ausgesetzt sind und von zusätzlichen Nährstoffen profitieren, wenn ihnen neben Raps auch Pollen anderer Pflanzenarten zur Verfügung stehen.

 

Redaktioneller Hinweis: Dieser Text steht unter der CC BY 3.0 DE-Lizenz.

 

Hier finden Sie weitere Informationen:

Ecology Letters

Prof. Dr. Teja Tscharntke
Adresse
Department für Nutzpflanzenwissenschaften, Abteilung Agrarökologie
Universität Göttingen
Prof. Dr. Teja Tscharntke
Adresse
Department für Nutzpflanzenwissenschaften, Abteilung Agrarökologie
Universität Göttingen
Felix Klaus, M.Sc.
Adresse
Department für Nutzpflanzenwissenschaften, Abteilung Agrarökologie
Universität Göttingen
Felix Klaus, M.Sc.
Adresse
Department für Nutzpflanzenwissenschaften, Abteilung Agrarökologie
Universität Göttingen
Georg-August-Universität Göttingen, Forschung und Transfer
Adresse
Wilhelmsplatz 1 (Aula)
37073 Göttingen
Georg-August-Universität Göttingen, Forschung und Transfer
Adresse
Wilhelmsplatz 1 (Aula)
37073 Göttingen