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Schmerz lass nach – Physiotherapie mit Virtual Reality

25. 09. 2025
Verfasst von: Alexander Elser, Axel Schäfer

Schmerz lass nach – Physiotherapie mit Virtual Reality

Eine Person trägt eine VR-Brille und hält einen Controller in der Hand. Der Hintergrund zeigt eine virtuelle Welt mit Nervenzellen. Eine Zelle öffnet sich in der Mitte und entsendet Botenstoffe. © Reducept
Virtuelle Realität in der Physiotherapie: Patienten mit chronischen Schmerzen reisen in den Körper und lernen, wie Schmerz entsteht und wie er kontrolliert werden kann.

Chronische Schmerzen verursachen einen hohen Leidensdruck bei den Betroffenen und schränken ihren Alltag erheblich ein. Bei einem innovativen Therapieansatz gehen Patientinnen und Patienten auf eine virtuelle Reise in den Körper. Dabei lernen sie, wie Schmerzen entstehen, welche Prozesse sie auslösen und wie sie zu kontrollieren sind. Ob und wie sich dieser Virtual-Reality-Ansatz in der ambulanten Physiotherapie einsetzen lässt, untersucht ein Forschungsteam der HAWK Hochschule.

Innovativer Ansatz in der ambulanten Therapie

Chronischer Schmerz ist ein Krankheitsbild, von dem weltweit etwa 20 bis 30 Prozent der Menschen betroffen sind. Während akute Schmerzen dem Körper als Warnsignal dienen, halten chronische Schmerzen länger als drei Monate an und haben oft ihre ursprüngliche Funktion verloren. Sie bestehen fort, ohne dass eine eindeutige Ursache erkennbar ist. Sie können in verschiedenen Körperregionen und in unterschiedlicher Intensität auftreten und beeinträchtigen nicht nur das körperliche Wohlbefinden, sondern führen auch zu emotionalen und sozialen Problemen im Berufsleben, in der Freizeitgestaltung und in zwischenmenschlichen Beziehungen. Zusätzlich verursachen chronische Schmerzen sehr hohe Kosten für die Gesellschaft.

Schmerzen verstehen und kontrollieren

Virtual Reality (VR) ermöglicht eine innovative Behandlung chronischer Schmerzen, mit der Patientinnen und Patienten in virtuelle Welten eintauchen. „Dadurch werden sie von ihrem Leid abgelenkt und können spielerisch lernen, wie chronische Schmerzen entstehen und wie sie mit Verhaltensänderungen ihr Schmerzempfinden beeinflussen können“, erklärt Physiotherapeut Alexander Elser. Er beruft sich auf wissenschaftliche Belege dafür, dass VR-Interventionen einen positiven Einfluss auf Schmerzintensität, körperliche Funktionsfähigkeit und Bewegungsangst haben. In einer Implementierungsstudie integriert er zusammen mit der HAWK Hochschule eine VR-Intervention in fünf Physiotherapiepraxen in Niedersachsen. Die Anwendung „Reducept“ stammt aus den Niederlanden und wurde federführend von einem Psychologen in einem Start-up entwickelt.

Eine lächelnde Frau setzt einer Person eine VR-Brille auf. Auf dem Visier sind virtuell erstellte Nervenzellen abgebildet. © Reducept
Wie können VR-Anwendungen in der ambulanten Physiotherapie eingesetzt werden? Wie lassen sich Barrieren abbauen und die Akzeptanz steigern? Das untersucht ein Forschungsteam der HAWK Hochschule.

Virtuelle Reise in den Körper

Die deutschsprachige Intervention basiert auf Wissensvermittlung. „Hierbei reisen die Betroffenen virtuell in einem Raumschiff durch den Körper und lernen Mechanismen des Schmerzes kennen“, erläutert Alexander Elser, „damit sie verstehen, wie Schmerz entsteht und die kognitiven, emotionalen und verhaltensbezogenen Prozesse beeinflusst. Das befähigt sie, ihre Schmerzen zu kontrollieren.“ Zusätzlich gibt es Spiele zur Ablenkung und Entspannung, die verschiedene Sinne stimulieren. Das HAWK-Projektteam um Prof. Dr. Axel Schäfer entwickelt eine Strategie, wie die VR-Anwendung in ambulanten Physiotherapiepraxen flächendeckend eingesetzt werden kann, und untersucht, wie sich Barrieren abbauen lassen. Alexander Elser nennt unter anderem Unsicherheiten bei der Finanzierung durch die Krankenkassen und bei der Entscheidung, für wen sich die VR-Intervention eignet.

 

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Redaktioneller Hinweis: Dieser Text steht unter der CC BY 3.0 DE-Lizenz
Zitation: Elser, A., & Schäfer, A. G. M. (2025). Schmerz lass nach – Physiotherapie mit Virtual Reality. Wissen Hoch N. https://doi.org/10.60479/ZXA1-AF08
M. Sc. Alexander Elser
Adresse
HAWK – Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst
Fakultät Soziale Arbeit und Gesundheit
M. Sc. Alexander Elser
Adresse
HAWK – Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst
Fakultät Soziale Arbeit und Gesundheit
HAWK Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst, Stabstelle Forschung und Transfer
Adresse
Hohnsen 4
31134 Hildesheim
HAWK Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst, Stabstelle Forschung und Transfer
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