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NUNC – aus der Hochschule ins Social Business

15. 01. 2026
Verfasst von: Justus Sprengel, Ludger Kolhoff, Christina Amrhein-Bläser

NUNC – aus der Hochschule ins Social Business

Eine blaue Fahrradtasche hängt am Gepäckträger eines Fahrrads, das draußen in der Natur steht. © NUNC eG
Menschen mit Behinderung, bisher ohne Arbeitsmarktchancen, nutzen ihre handwerklichen Fähigkeiten und entwickeln eine neue berufliche Identität. Zum Beispiel fertigen sie unter „kreativbyilay“ Rucksäcke und Fahrradtaschen aus alten Airbags.

Menschen mit Behinderung beruflich bilden und ihnen neue Arbeitsfelder eröffnen – das ist das Ziel des Start-ups NUNC, das aus dem Studium an der Ostfalia Hochschule entstand. Die inklusive Sozialgenossenschaft ermöglicht den Teilnehmenden in Workshops und Coachings, eigene Geschäftsideen umzusetzen. Im ersten Unternehmensprojekt entstehen Upcycling-Designprodukte aus Airbags. NUNC hilft von der Verwaltung und Organisation bis hin zum Vertrieb. Öffentliche Institutionen und Unternehmen unterstützen dabei.

Soziale Herausforderungen wirtschaftlich tragfähig lösen

Welche Talente habe ich? Was bereitet mir Freude? Das fragen sich die meisten Menschen in Schule, Studium und Ausbildung. Doch bei der Verwirklichung stehen behinderte Personen vor besonders großen Herausforderungen. „Ich habe oft gesehen, wie großartige Ideen an fehlender Unterstützung scheiterten. Menschen mit unglaublichem Potenzial standen allein vor zu vielen Hürden“, benennt Justus Sprengel seine Motivation, das zu ändern. Der Absolvent der Ostfalia Hochschule hat 2025 das soziale Start-up NUNC in Gifhorn gegründet. NUNC (lateinisch: jetzt) hilft als inklusive Sozialgenossenschaft Menschen mit und ohne Beeinträchtigung dabei, eigene Geschäftsideen zu entwickeln und umzusetzen. So gibt Justus Sprengel seine eigenen Kenntnisse aus dem Master Soziales Management und dem Erasmus+-Projekt „Learning Centers for Social Entrepreneurs“ weiter.

Den Weg zur Selbstständigkeit begleiten

Die Sozialgenossenschaft NUNC vereint kreative Begegnungsorte mit Trainingszentrum und Unternehmensberatung. Sozialpädagogische Fachkräfte vermitteln arbeitsmarktnahe Fähigkeiten und Wissen zu sozialem Unternehmertum mit einem 13-Module-Programm. Sie stärken die persönlichen Kompetenzen der Teilnehmenden und begleiten sie mit Workshops, Trainings und Beratung auf dem Weg zur Selbstständigkeit. „Die Teilnehmenden können in einem geschützten Umfeld ihre Stärken entdecken und ausprobieren“, erläutert der Gründer. Das Modell der „assistiven Selbstständigkeit“ erleichtert es Menschen mit Beeinträchtigung, sich als sozialversicherte Beschäftigte einer Projektgesellschaft auf ihre Ideen und die inhaltliche Arbeit zu konzentrieren. NUNC übernimmt Verwaltung und Organisation, unterstützt bei Materialbeschaffung, Marketing und Vertrieb.

Eine erste Gründungsidee: Taschen aus Airbags

„ReBack“ ist das erste Unternehmensprojekt, das aus der experimentellen Trainingsarbeit in der Genossenschaft entstanden ist. „Eine betreute Person konnte sehr gut nähen“, berichtet Justus Sprengel. „Sie hat Rucksackprototypen aus Airbags entwickelt. Dann kamen weitere Interessenten mit eigenen Designideen dazu.“ In Kooperation mit dem Autozulieferer iinovis und zu Beginn auch mit Studierenden fertigen sie nun aus nicht mehr nutzbaren Test-Airbags neue Produkte wie Rucksäcke, Turnbeutel oder Bauchtaschen.

Eine Gruppe von Menschen steht im Garten vor einem Haus. © NUNC eG
Gründungsversammlung NUNC eG – die inklusive Sozialgenossenschaft hilft anderen Menschen auf dem Weg zur Selbstständigkeit.

Die gemeinnützige Genossenschaft soll sich mit einer Finanzierung aus Mitgliedschaften, Umsätzen aus sozialen Dienstleistungen und Unternehmensprojekten, Spenden und Fördergeldern tragen. Sie kooperiert mit Hilfeträgern, Firmen und der Wirtschaftsförderung Gifhorn. Geplant ist, sie als anderen Leistungsanbieter (§60 SGB IX) aufzustellen. So finden nicht nur Menschen ohne Arbeitsmarktchancen eine neue berufliche Identität. Auch die Ostfalia Hochschule bringt durch praxisnahe Lehre, Forschung und internationale Projekte gesellschaftlich wirksame Gründungen auf den Weg.

Logo nunc - jetzt. hier. füreinander.
Zitation: Sprengel, J., Kolhoff, L., & Amrhein-Bläser, C. (2026). NUNC – aus der Hochschule ins Social Business. TI-Magazin (Technologie-Informationen), „ti“ 3/2025: Transfer in die Praxis. https://doi.org/10.60479/DEDA-GW05
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38302 Wolfenbüttel
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