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02. 11. 2022
Verfasst von: Philipp Sandermann

Integration durch Vertrauen

Lächelnde Kinder musizieren mit einer Betreuerin. © istockphoto, FatCamera
Miteinander leben, voneinander lernen – Kinder und ihre Eltern profitieren von pädagogischen Angeboten und erleichtern die Teilhabe an der Gesellschaft.

Fremdes Land, andere Kultur, unbekannte Bildungseinrichtungen – der Zugang zu frühkindlicher Betreuung und Bildung ist für geflüchtete Familien meist schwer. Die Leuphana Universität untersucht, wie geflüchtete Eltern Vertrauen zu frühpädagogischen Angeboten aufbauen und welche Rolle dabei digitale Medien und soziale Dienste spielen. Um den Zugang zu erleichtern, hat ein Forschungsteam Fort- und Weiterbildungsmodule für pädagogische Fachkräfte und Ehrenamtliche erarbeitet.

Zugang zu frühpädagogischen Angeboten erleichtern

Frühpädagogische Angebote leisten einen entscheidenden Beitrag zur gesellschaftlichen Teilhabe geflüchteter Familien in Deutschland. Kinder können mit Gleichaltrigen spielen und Freundschaften schließen. Ihre Eltern können Kontakte im lokalen Umfeld aufbauen und gewinnen Zeit für Bildung und Arbeit. Doch der Zugang zu den Angeboten ist für geflüchtete Familien herausfordernd – etwa aufgrund fehlender Vertrautheit mit dem deutschen System, begrenzter Angebote oder in Anbetracht von Sprachbarrieren. Ein Forschungsteam der Leuphana Universität Lüneburg hat untersucht, wie geflüchtete Eltern von 0- bis 6-jährigen Kindern Vertrauen in Kitas, Familienbildungsstätten und andere frühpädagogische Angebote aufbauen können (Forschungsprojekt).

Mehrsprachigkeit und digitale Medien

Die Forscherinnen und Forscher erhoben niedersachsenweit repräsentative Daten über Vertrauenseinstellungen geflüchteter Eltern und werteten diese aus. Parallel nutzten sie unterschiedliche qualitative Methoden wie teilnehmende Beobachtungen, Dokumenten- und Medienanalysen und führten Interviews mit geflüchteten Eltern, Ehrenamtlichen sowie Fachkräften. Dabei identifizierte das Projektteam eine ganze Reihe an „Stellschrauben“, die Vertrauen in frühpädagogische Einrichtungen stärken können:

  • Sprach- und Kulturmittlerinnen schaffen verlässliche, inklusive Strukturen für geflüchtete Kinder und ihre Eltern; sie sollten fester Bestandteil der Einrichtungen sein.
  • Mehrsprachige Kommunikation sollte als Normalfall einer (Flucht-)Migrationsgesellschaft akzeptiert und deren Potenziale genutzt werden.
  • Niedrigschwellige soziale Medien, etwa WhatsApp, sowie Übersetzungs-Apps, etwa Deepl.com, sollten für Informationen und Austausch genutzt werden.

Trainingskonzepte für den Praxistransfer

Basierend auf den Ergebnissen der empirischen Erhebungen erarbeitete das Projektteam in enger Kooperation mit niedersächsischen Fort- und Weiterbildungsträgern ein Konzept für „Train the trainer“-Workshops. Darin werden Personen aus der frühpädagogischen Fort- und Weiterbildung, Prozessbegleitung, Fachberatung und Einrichtungsleitung geschult, die Ergebnisse des Forschungsprojekts wissens- und übungsbasiert weiteren pädagogischen Fachkräften und Ehrenamtlichen nahezubringen. Dabei reflektierten die Teilnehmenden der Workshops auch, wie diese Inhalte und Übungen in ihre laufenden Fort- und Weiterbildungsformate für die frühpädagogischen Fachkräfte integriert werden können. Das Projekt wurde vom Ministerium für Wissenschaft und Kultur aus Mitteln des Niedersächsischen Vorab gefördert.

Prof. Dr. Philipp Sandermann
Adresse
Leuphana Universität Lüneburg
Professur für Sozialpädagogik
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Leuphana Universität Lüneburg, Wissenstransfer
Adresse
Universitätsallee 1
21335 Lüneburg
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