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08. 09. 2021
Verfasst von: Michael Nusser

Strategische Erfolgsfaktoren für die Bioökonomie

Die Grafik zeigt einen Globus in Vernetzung mit Produktion, Recycling, Verkehr, Energie und Umwelt. © iStock
Bioökonomische Produkte erhöhen die Nachhaltigkeit, eröffnen Wachstumspotenziale und neue Märkte.

Deutschland gehört in einigen Biotechnologie-Teilsegmenten im internationalen Wettbewerb zur Weltspitze. Nachhaltige Produkte, Prozesse und Dienstleistungen der Bioökonomie eröffnen daher erhebliche Innovations-, Wachstums- und Beschäftigungspotenziale für den Standort Deutschland. Zur Ausschöpfung dieser Marktpotenziale müssen wichtige strategische Erfolgsfaktoren ausreichend berücksichtigt und gefördert werden.

Erhebliche Potenziale für den Standort Deutschland

Biotechnologie treibt als Querschnitts- und Spitzentechnologie in mehreren Wirtschaftsbranchen Innovationen und Wachstum an. Sie hilft vor allem dabei, neue Produkte, Prozesse und Dienstleistungen zu entwickeln und existierende zu verbessern. Dadurch können neue Märkte erschlossen und die Wettbewerbsfähigkeit gestärkt werden. Große wirtschaftliche Potenziale ergeben sich für die Pharma- und Chemiebranche, unter anderem bei Bio-Kraftstoffen, Fein- und Spezialchemikalien, für die Lebensmittelindustrie und Landwirtschaft sowie für die Umweltbiotechnik, etwa zur Aufbereitung von Wasser und Abfällen. Neben den direkten Innovations-, Wachstums- und Beschäftigungseffekten bei den Produzenten und Anwendern entstehen zudem vielfältige positive Ausstrahleffekte in den vorgelagerten Zuliefererindustrien wie dem Maschinen- und Anlagenbau.

Technologische Evolution statt Revolution

Oftmals sind die Erwartungen zu den wirtschaftlichen Potenzialen aber zu hoch angesetzt, denn in der Wirtschaftspraxis vollzieht sich ein technologischer Strukturwandel. „Dieser Wandel erfolgt bei kapitalintensiven Produktionsprozessen, etwa in der Chemiebranche, aufgrund von vielfältigen Innovationshemmnissen und Pfadabhängigkeiten meist graduell über sehr viele Jahre und nicht schockartig. Eine technologische Evolution anstatt einer Revolution ist oft die Folge“, erläutert Professor Michael Nusser von der Hochschule Hannover. „Um die Potenziale der Bioökonomie umfassend auszuschöpfen, reichen die Förderung einzelner Innovationstreiber oder punktuelle Maßnahmen alleine nicht aus“, fasst der Experte für Bioökonomie die Ergebnisse seines Forschungsvorhabens „Wege zu mehr Nachhaltigkeit“ zusammen und ergänzt: „Vielmehr müssen entlang der gesamten Wertschöpfungsketten möglichst alle angebots- und nachfrageseitigen strategischen Erfolgsfaktoren adäquat berücksichtigt und gefördert werden.“

Erfolgsfaktoren adäquat fördern

Hierzu zählt Michael Nusser neben einer sehr starken und breiten technologischen Wissensbasis (unter anderem verwertbare Patente) mit einer sehr gut ausdifferenzierten Forschungsinfrastruktur auch einen effizienten interdisziplinären Wissens- und Technologietransfer. Zudem sind hoch qualifizierte Arbeitskräfte sowie international wettbewerbsfähige Anwender- und Zuliefererbranchen mit einem guten Zugang zu allen großen Exportmärkten sehr wichtig. Laut Michael Nusser sollte die Risiko- und Investitionsbereitschaft der Wirtschaftsakteure erhöht werden, beispielsweise durch die politische Förderung von Demonstrationsanlagen, Leuchtturmprojekten, Lern- und Experimentier-Plattformen sowie geeigneten betriebswirtschaftlichen Bewertungsinstrumenten. Entscheidend ist zudem auch die Entwicklung von aufeinander abgestimmten Gesamt- und Teilstrategien auf Basis transparenter, integrativer und partizipativer Prozesse unter Einbeziehung aller relevanter Akteure, sowie eine bessere Koordination und Verzahnung von Politikressort-übergreifenden Maßnahmen und Regulierungen (siehe auch ti 3-2020).

 

 

Redaktioneller Hinweis: Dieser Text steht unter der CC BY 3.0 DE-Lizenz.

Hochschule Hannover, Wissens- und Technologietransfer
Adresse
Expo Plaza 3
30539 Hannover
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