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02. 02. 2021
Verfasst von: Viola Priesemann

Covid 19: Wie behalten wir die Kontrolle?

Menschen mit Masken halten Abstand bei einer Besprechung. © istockphoto
Hinlänglich bekannt, aber nicht immer konsequent umgesetzt: Abstandhalten und Masken für den Mund-Nasen-Schutz helfen.

Die Covid-19-Epidemie lässt sich nur mit einem Bündel konzertierter Maßnahmen eindämmen. Zu diesem Ergebnis kommen das Max-Planck-Institut für Dynamik und Selbstorganisation sowie die Universität in Göttingen. Die Forschenden haben Bedingungen abgesteckt, unter denen die Zahl der Covid-19-Erkrankten in Deutschland weiterhin unter Kontrolle bleibt.

Langfristige Eindämmung der Corona-Epidemie

Beim Eindämmen der Covid-19-Epidemie kommt es auf uns alle an, auf die Gesundheitsämter aber ganz besonders. Die Kontaktnachverfolgung und das Testen von Verdachtsfällen trägt wesentlich dazu bei, die Reproduktionszahl R, also die Zahl der Menschen, die Träger des Virus im Schnitt anstecken, unter 1 zu drücken. Jenseits dieses Kipppunktes breitet sich Sars-CoV-2 exponentiell, also sehr schnell unkontrollierbar aus.

© MPI für Dynamik und Selbstorganisation
Übersteigt ein einzelnes Superspreading-Ereignis die Kapazität der Gesundheitsämter, steigt die Zahl der täglichen Infektionen unkontrolliert.

Belastungsgrenze der Gesundheitsämter

Wie effektiv die Gesundheitsämter die Reproduktionszahl in der Praxis senken können, ermittelt ein Team um Dr. Viola Priesemann vom Max-Planck-Institut für Dynamik und Selbstorganisation in Göttingen mit Modellen der theoretischen Epidemiologie. So haben die Forscherinnen und Forscher nachgewiesen, dass die Belastungsgrenze der Gesundheitsämter einen zweiten wichtigen Kipppunkt darstellt, an dem die Epidemie außer Kontrolle geraten kann. „Je mehr Kontakte den Gesundheitsämtern entgehen, weil sie überlastet sind, desto höher steigt die Infektionsrate, und eine Eindämmung wird immer schwieriger“, sagt Viola Priesemann.

Unentdeckte Virusüberträger

Den Erreger verbreiten vor allem die Träger, die ihren aktuellen Infektionsstatus nicht kennen: Sie haben keine oder unspezifische Symptome und wurden noch nicht getestet. „Die Ergebnisse unserer Modellrechnungen stimmen sehr gut mit den beobachteten Entwicklungen überein“, stellt Viola Priesemann fest. Unter anderem prognostizierten die Computermodelle die zweite Welle der Epidemie in Deutschland sowie die gestiegenen Sterberaten. „Viele Landkreise haben einen Kipppunkt im Infektionsgeschehen überschritten“, führt die Physikerin weiter aus.

Die Grafik gibt die Anzahl erkannter und nicht-erkannter Corona-Fälle und deren Wechselwirkungen wieder. © MPI für Dynamik und Selbstorganisation
Das Modell der Göttinger Forschenden zeigt, dass sich das Virus stark ausbreitet, solange Träger nicht erkannt und isoliert sind (breiter roter Pfeil). Durch Testen und Kontaktnachverfolgung (englisch Test, Trace, Isolate) breitet sich das Virus deutlich abgeschwächter aus (dünner roter Pfeil).

Maßnahmen effektiv verbessern

Die Rechenergebnisse und der Pandemieverlauf belegen, wie wichtig es ist, die AHA-Regeln – Abstand, Hygiene und Alltagsmasken – gewissenhaft einzuhalten und physische Kontakte einzuschränken. Um die Kontrolle über das Infektionsgeschehen wiederzuerlangen, müssten die Fallzahlen eventuell auch mit einem Lockdown unverzüglich gesenkt werden. „Besonders effektiv ist es, wenn wir an möglichst vielen Stellen jeweils ein bisschen besser werden: effektivere Gesundheitsämter, konsequentere Quarantäne, weniger Kontakte“, erklärt Viola Priesemann. Schließlich helfen konsequent niedrige Fallzahlen allen: der Gesundheit, der Gesellschaft und der Wirtschaft.

Hier finden Sie weitere Informationen:

Viola Priesemann
Dr. Viola Priesemann
Adresse
Max-Planck-Institut für Dynamik und Selbstorganisation
Göttingen
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Dr. Viola Priesemann
Adresse
Max-Planck-Institut für Dynamik und Selbstorganisation
Göttingen